Ordinanden sitzen am 26.04.2015 während ihrer Weihe im Dom "Sankt Mauritius und Katharina" in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Bild: © dpa/Jens Wolf
CDU-Politiker Rachel fordert Achtung bürgerlicher Positionen

EKD-Ratsmitglied warnt: Konservative nicht ausgrenzen

Evangelische Kirche - Die Basis der Evangelischen Kirche ist konservativer als es ihre Gremien vermuten lassen, sagt Thomas Rachel. Er gilt als konservatives Mitglied in der EKD-Leitung und fordert mehr Gehör für Seinesgleichen.

Bonn - 17.08.2017

Konservative Stimmen finden in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu wenig Gehör, sagt CDU-Politiker Thomas Rachel. Entsprechende Meinungen seien gerade in höheren kirchlichen Gremien unterrepräsentiert, sagte er im Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" am Donnerstag. Für Rachel, der selbst Mitglied im Rat der EKD ist, sei die fortwährende Integration der "frommen und bürgerlichen Gemeindemitglieder (…) vielleicht eine der größten Herausforderungen der evangelischen Kirche in den nächsten Jahren".

Rachel: Konservative an der Basis in der Mehrheit

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium beobachte dabei eine "Diskrepanz zwischen der Basis und den Gremien". In den Gemeinden stellten konservative Gläubige "oft die Mehrheit dar" und spielten dort "eine größere Rolle als in manchen überregionalen Gremien". Dass etwa im EKD-Rat, dem höchsten Gremium der EKD, auch konträre Positionen vertreten seien, hält Rachel hingegen für ein Zeichen des Pluralismus, der kennzeichnend für die Evangelische Kirche sei. "Entscheidend ist, wie wir mit unterschiedlichen Meinungen umgehen."

Linktipp: Christliche Kirchen sind bei "Ehe für alle" uneins

Die deutschen Bischöfe hatten ihre Ablehnung der "Ehe für alle" bereits vor der Entscheidung deutlich zum Ausdruck gebracht. Anders sah es auf Seiten der EKD aus: Sie begrüßte die Einführung. Doch nicht alle Protestanten waren dafür. (Artikel von Juni 2017)

Ausführlich äußerte sich Rachel im Interview zur Einführung der "Ehe für alle". Ende Juni hatte der Bundestag in einer kurzfristig angesetzten Entscheidung mehrheitlich für eine entsprechende Gesetzesänderung gestimmt. Gegenstimmen kamen einzig von Abgeordneten der Union und einer fraktionslosen Abgeordneten. Auch Rachel hatte eine der 226 Nein-Stimmen abgegeben. "Für mich ist wichtig, dass aus einer Ehe auch Kinder erwachsen können. Sie ist seit Jahrtausenden eine christliche Tradition und eine auf Lebenszeit angelegte Verbindung von Mann und Frau", sagte Rachel nun.

Vor der Bundestagsabstimmung hatte der EKD-Rat in einer Stellungnahme die Einführung der "Ehe für alle" begrüßt. Gegenüber "Christ & Welt" erklärte Rachel, er habe nicht als einziges Ratsmitglied eine gegenläufige Ansicht vertreten, jedoch ohne dies zu konkretisieren. Generell stehe er mit seiner Meinung innerhalb der EKD "für viele andere Gläubige ein". Das gelte auch für die Positionen "der katholischen und orthodoxen Kirche, die zumeist weit konservativer argumentieren als ich", so Rachel.

CDU-Mann Rachel: AfD am "extrem rechten Rand"

Mit Blick auf die im September anstehenden Bundestagswahlen warnte er vor einer Unterstützung der AfD aufgrund vermeintlich christlich-konservativer Positionen. "Sie werden im Parteiprogramm der AfD überhaupt keine ausdrücklich christliche Fundierung oder gar ein Bekenntnis zum christlichen Menschenbild finden", sagte CDU-Mann Rachel. Die "Alternative für Deutschland" sei "eine Partei am extrem rechten Rand". Christen in Deutschland fühlten sich "von einer Politik, die andere Menschen ausgrenzt und diskreditiert eher abgestoßen", erklärte Rachel. Dass gläubige Christen verstärkt zur Wahl der AfD tendierten, könne nicht behauptet werden. Zugleich seien laut Rachel jedoch auch CDU und CSU nicht als "christliche Parteien" zu bezeichnen; "das kann es gar nicht geben". Vielmehr sei es Anspruch der Union, "um die besten politischen Lösungswege auf der Basis des christlichen Menschenbildes" zu ringen. (kim)