Christen in China beim Gottesdienst.
Chinesische Behörden haben Arbeiten vorerst gestoppt

Katholiken kämpfen gegen Kirchenabriss

China - Eigentlich hatte die Stadt einer Renovierung zugestimmt. Jetzt soll die 100 Jahre alte Kirche im chinesischen Wangcun der Abrissbirne zum Opfer fallen. Doch die Gläubigen lassen sich das nicht gefallen.

Wangcun - 30.08.2017

Hunderte Katholiken haben am Dienstag im chinesischen Wangcun versucht, den von der Kommunistischen Partei und Behörden angeordneten Abriss ihrer Kirche zu verhindern. Wie Videoaufnahmen zeigen, versammelten sich Priester und Gläubige auf dem Kirchengelände und vor der Umgebungsmauer. Sie riefen "Jesus, rette mich" und "Maria, sei uns gnädig", während sie sich der Arbeit des Bulldozers und der Polizei entgegenstellten. Die 100 Jahre alte Kirche, die zur Diözese Changzhi gehört, sollte ursprünglich renoviert werden, wie die Nachrichtenagentur "AsiaNews" berichtet. Die von den Behörden genehmigten Arbeiten haben demnach vor einigen Monaten begonnen, unter beträchtlichen Kosten für die Gläubigen. Kürzlich habe man aus "stadtplanerischen Gründen" jedoch den Abriss beschlossen.

Öffentlicher Platz statt Kirche

Laut einer städtischen Verordnung vom 25. August 2012 gelten die Kirche und das dazugehörige Grundstück als Eigentum der katholischen Kirche. Ungeachtet dessen ordnete die Kommunistische Partei gemeinsam mit den städtischen Behörden den Rückbau des gesamten Geländes inklusive der Mauer und des Kirchengebäudes an. Begründung: "Nach dem Abriss wird ein Platz entstehen, der das Leben der Menschen bereichern wird." Laut AsiaNews sind die Abrissarbeiten nach den Protesten der Gläubigen vorerst gestoppt worden. Im Bistum Changzhi leben etwa 50.000 Katholiken, die von 47 Priestern betreut werden. Die Diözese besitzt mehr als 60 Kirchen und Kapellen.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Schätzungsweise 12 bis 14 Millionen Chinesen sind katholisch – bei 1,3 Milliarden Einwohnern eine deutliche Minderheit. Die "Freiheit des religiösen Glaubens" und der "Schutz normaler religiöser Aktivitäten" stehen in der chinesischen Verfassung. Dennoch müssen sich die staatlich anerkannten Religionen Katholizismus, Protestantismus, Buddhismus, Daoismus und Islam in sogenannten "Patriotische Vereinigungen" organisieren. Durch diese will die chinesische Regierung die Religionsgemeinschaften kontrollieren und zudem ausländische Einflussnahme verhindern. Die "Katholisch-Patriotische Vereinigung" ist daher offiziell unabhängig vom Heiligen Stuhl und wird von diesem nicht anerkannt. Daneben existiert jedoch noch eine papsttreue Untergrundkirche, die Repressalien seitens des Staates ausgesetzt ist. (tmg)