Bedford-Strohm: Nationalismus ist Sünde
EKD-Ratsvorsitzender fordert Widerspruch von Christen

Bedford-Strohm: Nationalismus ist Sünde

Nationalismus unter einem christlichen Deckmantel? Nicht mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Er fordert den Widerspruch von Christen und erklärt auch, warum.

Ingolstadt - 03.10.2017

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat vor einem wachsenden Nationalismus gewarnt. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, sagte der bayerische Landesbischof am Montagabend in Ingolstadt bei einem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit und dem Jubiläumsjahr der Reformation: "Nationalismus ist eine Erscheinungsform von Sünde." Wenn ein Volk nur noch sich selber sehe und nicht mehr die anderen, dann sei das ein Zeichen von Sünde, so wie der Reformator Martin Luther (1483-1546) sie verstanden habe.

Nationalismus vergifte das Klima zwischen Menschen, betonte Bedford-Strohm. Wo er mit dem christlichen Mäntelchen umgeben werde, sei klarer Widerspruch angesagt. "Denn er tritt all das mit Füßen was die christliche Tradition ausmacht." Von seiner Kritik nahm der Landesbischof aber einen gesunden Patriotismus aus. Zur Freiheit gehöre Nächstenliebe, ohne Nächstenliebe sei Freiheit nicht denkbar. Deshalb engagierten sich auch viele Christen für Kranke, Menschen in Not und für Flüchtlinge, erinnerte der Landesbischof.

Zugleich kritisierte Bedford-Strohm laut BR die Kultur der Beschuldigung und Abwertung in den zunehmend "unsozialen" Medien. Er forderte eine Kultur der Nachdenklichkeit und kritischen Selbstprüfung, damit die Sozialen Medien tatsächlich wieder zu solchen würden. Die Politiker forderte der Landesbischof auf, sich nicht gegenseitig zu beschuldigen oder gar zu beleidigen. Er würde sich wünschen, dass politisch Verantwortliche öffentlich zu ihren Fehlern stehen würden. Das wäre ein Zeichen von Stärke. (KNA)