Ein gut 50-jähriger, schlanker Mann, sitzt in einem roten Gewand und mit Mitra auf dem Kopf in einer Kirche.
Polens Primas droht mit Suspendierungen

Bischof verbietet Priestern Anti-Flüchtlings-Demo

Polens Regierung und wohl auch die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Erzbischof Polak geht einen anderen Weg - und droht fremdenfeinlichen Priestern mit einer Strafe.

Warschau - 19.10.2017

Polens katholischer Primas Wojciech Polak warnt Geistliche vor Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. "Jeder Priester, der in Gnesen zu einer Anti-Flüchtlings-Demonstration geht, wird suspendiert", sagte er in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Tygodnik Powszechny". Polak ist Erzbischof der westpolnischen Stadt.

Das Evangelium verpflichte Christen dazu, Menschen in Not zu helfen, so der Primas. Daher müssten Gläubige Flüchtlinge aufnehmen. "Es geht nicht darum, die Grenzen ohne jede Kontrolle zu öffnen, aber es ist klug, denen zu helfen, die wir unterstützen können und sollen", betonte Polak. "Das ist für uns keine Gefahr."

Polens Regierung und laut Umfragen auch die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Die katholische Kirche des Landes wirbt seit langem für die Aufnahme von Kriegsopfern aus Syrien. Die nationalkonservative Regierung begründet ihr Nein mit Sicherheitsbedenken.

2016 hatte in Polen eine als antisemitisch und rassistisch kritisierte Predigt eines Ordensmanns für Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft Bialystok im Nordosten des Landes stellte ihr Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen Pater Jacek Miedlar zwar ein. Die polnische Ordensprovinz der Lazaristen verbot ihm aber nach Bekanntwerden der Predigt vor Mitgliedern der rechtsextremen Organisation "Nationalradikales Lager" (ONR) jede öffentliche Rede sowie Äußerungen in Medien und Sozialen Netzwerken. Miedlar trat später aus dem Orden aus. Die Lazaristen erklärten, diese Entscheidung bedeute eine "praktische Abkehr von der Priesterschaft". (KNA)