Der 31. Oktober als Feiertag? Bischof Heße skeptisch
Katholischer Bischof sieht Feiertag am Reformationstag kritisch

Der 31. Oktober als Feiertag? Bischof Heße skeptisch

2017 wird der Reformationstag erstmals bundesweit ein Feiertag sein. Seit Monaten werden Forderungen nach einer dauerhaften Einrichtung laut. Ein katholischer Bischof positioniert sich dagegen.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 20.10.2017

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sich skeptisch gegenüber Bestrebungen geäußert, den Reformationstag dauerhaft zum gesetzlichen Feiertag zu erklären: Das Datum markiere die Spaltung der Christen vor allem in Deutschland, sagte Heße am Donnerstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Als katholischer Theologe frage ich, ob dies die Zeichen der Zeit sind, die wir als Christen erkennen sollen."

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ist in diesem Jahr der 31. Oktober erstmals – und einmalig – bundesweit ein arbeitsfreier Feiertag. Das hatten die elf Bundesländer beschlossen, in denen er sonst kein gesetzlicher Feiertag ist. Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht, die Anstoß zur Diskussion über Missstände in der Kirche waren und letztendlich zur Reformation führten.

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm für dauerhaften Feiertag

Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten – zum Teil auch schon in den vergangenen Jahren – die Forderung laut, den Reformationstag dauerhaft als bundesweiten Feiertag einzuführen. So sagte etwa der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, er halte den Tag in seiner Bedeutung für so wichtig, dass er in allen Bundesländern Feiertag sein sollte. Vor einem Jahr wünschte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, dass es mit Reformations- und Buß- und Bettag zwei dauerhafte evangelische Feiertage gibt.

Erzbischof Heße wiederum reagierte mit seiner Äußerung auf einen erneuten Vorstoß der CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft. Ein entsprechender Antrag wird derzeit im Verfassungsausschuss der Hansestadt beraten. Die CDU in Niedersachsen forderte dies bereits im Jahr 2014. Auch im mehrheitlich katholischen Bayern sprach sich die Landtagsfraktion der Freien Wähler vor knapp zwei Jahren dafür aus.

Zum 500. Jahrestag der Reformation halte er es angesichts der historischen Bedeutung des Ereignisses in diesem Jahr für angemessen, den 31. Oktober als Feiertag zu begehen, sagte Heße. Über einen dauerhaften arbeitsfreien Tag wünsche er sich jedoch eine breit angelegte Diskussion. Sein Argument: "Wenn es einen zusätzlichen Feiertag geben soll, dann sollte er möglichst in der Gesamtbevölkerung verankert sein."

Die Festlegung von Feiertagen ist in Deutschland Ländersache. Bislang ist der Tag nur in  Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dauerhaft ein Feiertag. Hamburg hat ebenso wie Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen 9 Feiertage im Jahr, Spitzenreiter Bayern kommt auf 13. In mehreren nördlichen Bundesländern wird daher bereits seit Längerem über die Einführung eines zusätzlichen Feiertags diskutiert.

Die Evangelische Kirche in Deutschland will den 500. Jahrestag des Thesenanschlag in Wittenberg mit einem Gottesdienst und mit einem staatlichen Festakt feiern. Dieser soll die Bedeutung der historischen Ereignisse für Ereignisse der Gegenwart unterstreichen. Von den evangelischen Christen wird der Reformationstag in diesem Jahr – und auch sonst – vor allem mit Gottesdiensten begangen, die häufig am Abend stattfinden. Dabei geht es den Feiernden weniger um die Erinnerung an den sogenannten Thesenanschlag Martin Luthers als um seine Theologie. Die Rechtfertigung allein durch den Glauben zieht sich durch die Liturgie – und der Gesang von Kirchenliedern wie "Eine feste Burg ist unser Gott", einem Choral, der von Luther selbst stammt. (Mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek