Roberto Blanco über seine katholische Kindheit und eine Papstaudienz

Ein bisschen Glaube muss sein

Aktualisiert am 12.11.2017  –  Lesedauer: 
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Bonn ‐ Der Glaube begleitet Roberto Blanco seit seiner Kindheit. Im Interview mit katholisch.de berichtet der Entertainer von Ordensfrauen, die zum Mutterersatz wurden und der strengen Erziehung als Messdiener.

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Frage: Herr Blanco, Sie schreiben in Ihrem Buch "Von der Seele", dass Sie bereits im Alter von etwa acht Jahren mit ihrem Vater bei einer privaten Audienz beim Papst waren. Wie kam es dazu – und wie haben Sie Papst Pius XII. erlebt?

Roberto Blanco: Wir waren in Rom und der kubanische Botschafter konnte eine Audienz für zehn Personen erwirken. Ich gehörte dazu. Es war ein einmaliges Erlebnis und ich konnte selbst mit dem Papst sprechen und Grüße meiner Mitschüler aus dem Internat in Beirut überbringen. Die Retourgrüße des Papstes durfte ich dann meinen Mitschülern mitteilen und konnte dies damals mit einem Foto auch belegen. Natürlich hatte ich dann viele Bonuspunkte im Internat.

Frage: Wie ist Ihre Meinung zu den Päpsten, die nach Pius XII. kamen? Hat Sie einer besonders beeindruckt oder konnten Sie gar nochmal einen Pontifex treffen?

Blanco: Einen weiteren Papst konnte ich nicht persönlich kennenlernen. Ich war beeindruckt von den letzten Päpsten, besonders aber vom jetzt amtierenden. Dieser lebt den Glauben und die Lehre Gottes in einem ganz besonderen Stil. Diesen Papst würde ich gerne persönlich kennenlernen und ich werde mich darum bemühen.

Frage: Als kleiner Junge lebten Sie in einem Mädcheninternat bei Ordensfrauen in Beirut. Wie kam es dazu?

Blanco: Meine Mutter starb in Beirut, als ich eineinhalb Jahre alt war. Und da mein Vater in Beirut ständig als Künstler engagiert war, hatte er kaum Zeit, sich um ein Baby zu kümmern. Daher kam ich in ein Klosterinternat. Die Nonnen waren für mich ein Mutterersatz.

Bild: ©Quadriga Communication/Plassen Verlag

Im Oktober 2017 erschien im Plassen-Verlag "Von der Seele", die Autobiografie des 80-jährigen Entertainers Roberto Blanco.

Frage: Wie haben Sie die Zeit unter hunderten Mädchen und Frauen in Erinnerung?

Blanco: Ich habe das noch immer gut in Erinnerung. Es waren circa 800 Personen und ich war das Maskottchen und wurde von allen verwöhnt.

Frage: Durch Ihr ganzes Buch zieht sich das Thema Frauen: nach den Ordensschwestern auch der Reiz der Frauen im Showgeschäft. Später die Familie mit einem inzwischen schwierigen Verhältnis zur Ex-Frau und einer der Töchter sowie schließlich die Bedeutung Ihrer Frau Luzandra, mit der Sie kubanische Wurzeln teilen. Welche Rolle spielen Frauen für Sie in Ihrem Leben?

Blanco: Schon als Kind war ich im Internat von Frauen und Mädchen umgeben und hatte nur gute Erfahrungen gemacht. Auch später habe ich durch meinen Vater viele Künstlerinnen kennengelernt, welche ich immer bewundert habe. Mit meiner Frau Luzandra bin ich sehr glücklich und froh, dass ich sie kennengelernt habe. Ich habe die Frauen immer respektiert. Man darf nicht alles glauben, was die Presse so schreibt.

Frage: Als ihre Schulzeit begann, kamen Sie auf ein ebenfalls katholisches Jungeninternat. Dort ging es etwas strenger zu und Sie berichten von Ohrfeigen als Schüler und als Messdiener

Blanco: Es war nicht an der Tagesordnung, aber es war streng und körperliche Gewalt kam vor. Rückblickend finde ich das nicht so tragisch. Ich habe Respekt gelernt und bereue diese Zeit nicht. Heute ist leider der Umgang miteinander nicht mehr so respektvoll. Warum auch immer.

Frage: Im Libanon lebten damals Menschen verschiedener christlicher und muslimischer Konfessionen friedlich miteinander. Hat dieses religiöse Umfeld Ihren Blick auf die Religionen geprägt?

Blanco: Selbstverständlich! Ich habe heute noch sehr viele Freunde, welche den unterschiedlichsten Religionen angehören. Auch hier ist der gegenseitige Respekt die Voraussetzung. Es wäre schön, wenn dies alle Menschen aller Religionen leben könnten. Es gäbe dann weniger Kriege.

Zur Person

Roberto Blanco wurde am 7. Juni 1937 in Tunis geboren, wo seine Eltern – kubanische Tänzer – auf ihrer Welttournee gastierten. Wegen des aufziehenden Kriegs zogen sie aus Paris in den Libanon, wo seine Mutter Mercedes Blanco bald starb. Er wuchs in katholischen Internaten in Beirut und Madrid auf und lernte Arabisch, Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch, bevor er mit 19 Jahren nach Wiesbaden kam. Er spielte in einem Film und begann seine Gesangs- und TV-Karriere. 1971 bekam er die deutsche Staatsbürgerschaft und landete ein Jahr später mit "ein bisschen Spaß muß sein" seinen größten Hit. Er hat drei Kinder und ist seit 2013 in zweiter Ehe verheiratet.

Frage: Auch als Jugendlicher in Madrid waren Sie wieder in einem kirchlichen Internat. Sind Sie ein religiöser Mensch gewesen und womöglich auch geblieben?

Blanco: Ja, ich war immer religiös, auch heute noch. Jeder hat eine andere Art, das zu leben.

Frage: Welche Rolle spielt die Kirche und das Gebet für Sie heute?

Blanco: Ich besuche immer Kirchen, egal wo ich gerade bin. Gebete mache ich fast täglich, meistens im Stillen und natürlich nur für mich.

Frage: Welches ist das religiöseste Lied aus Ihrer Diskografie?

Blanco: Natürlich "Ave Maria". Ein Lied, welches ich sehr gerne singe.

Frage: Ihre Biografie trägt den doppeldeutigen Titel "Von der Seele". Geht es darum, sich Ihre Erinnerungen von der Seele zu schreiben oder handelt es auch von Ihrer Seele selbst? Glauben Sie an eine Seele im Menschen?

Blanco: Ja, ich glaube jeder Mensch hat ein Herz und eine Seele. Wenn man "Von der Seele" spricht, spricht man natürlich eher die Wahrheit.

Frage: Wie denken Sie über den Tod nach; glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Blanco: Am Ende steht für jeden von uns der Tod. Ob es danach ein Leben gibt, weiß ich nicht.

Von Agathe Lukassek