Overbeck entsetzt über Messerangriff in Altena
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Ruhrbischof zur Attacke auf Bürgermeister Andreas Hollstein

Overbeck entsetzt über Messerangriff in Altena

Kriminalität - Der Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein wurde Opfer einer Messerattacke - wahrscheinlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Die Kirche spricht von einer "verabscheuungswürdigen Tat".

Essen/Altena - 28.11.2017

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat sich entsetzt über den Messerangriff auf den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) gezeigt. "Eine solche Tat ist verabscheuungswürdig", erklärte Overbeck am Dienstag in Essen. "Umso mehr bin ich froh und erleichtert, dass Bürgermeister Hollstein inzwischen das Krankenhaus verlassen konnte und wieder bei seiner Familie sein kann." Der Bischof wünschte Hollstein gute Genesung und viel Kraft, den Angriff gut zu verarbeiten.

Die Stadt Altena auf dem Gebiet des Ruhrbistums habe mit ihrer Integrationsarbeit ein sehr positives Zeichen der Menschlichkeit gesetzt, so der Bischof. Für diese Leistung stehe vor allem auch der Name Andreas Hollstein. "Er und alle, die diese Arbeit unterstützen, verdienen unsere Solidarität", betonte Overbeck.

Der Bürgermeister war am Montagabend in einer Imbiss-Bude von einem 56-Jährigen durch ein Messer mit einer 22 Zentimeter langen Klinge am Hals verletzt worden, wie es hieß. Der Mann soll gesagt haben: "Du drehst mir mein Wasser ab, Du bist Schuld, dass ich nichts zu saufen bekomme. Ich stech' Dich ab." Die Staatsanwaltschaft geht von einer spontanen Tat aus. Der mutmaßliche Täter sei bislang nicht gravierend strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er habe gesagt, dass er unter einer Depression leide. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes. Der Angreifer habe ein fremdenfeindliches Motiv gehabt, erläuterten Vertreter von Polizei Staatsanwaltschaft und Staatsschutz am Dienstag vor Journalisten in Hagen. 

Zweite fremdenfeindliche Gewalttat

Wie Overbeck verurteilte auch der katholische Pfarrer von Altena, Ulrich Schmalenbach, die Messerattacke. "Man kann keine Probleme mit Gewalt lösen", sagte er auf Anfrage. Nach dem Brandanschlag auf ein Haus mit sieben syrischen Flüchtlingen im Jahr 2015 sei dies nun schon die zweite fremdenfeindlich motivierte Gewalttat in der sauerländischen Stadt, zeigte sich der Geistliche betroffen.

Altena wurde bundesweit bekannt, weil es mehr Flüchtlinge aufgenommen hatte als nach dem Verteilschlüssel verlangt. Die 18.000-Einwohner-Stadt versucht, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Zudem betreuen sogenannte "Kümmerer" die Flüchtlingsfamilien im Alltag. Dafür erhielt die Stadt im Mai aus der Hand von Merkel den mit 10.000 Euro dotierten Nationalen Integrationspreis. Der Bürgermeister engagiert sich zudem für die Aktion "Gesicht zeigen" und war an der Entstehung des Buchs "Mein Kampf gegen rechts" beteiligt.

Nach den Worten von Pfarrer Schmalenbach gibt es in der Stadt aber auch verborgenen Widerstand gegen die Flüchtlingspolitik. So habe die AfD bei der Bundestagswahl in einem Stadtteil 18 Prozent erzielt. Ressentiments gegen Geflüchtete seien klar abzulehnen, aber es brauche auch einen Raum, in dem Ärger und mögliche Spannungen im nachbarschaftlichen Verhältnis von Asylsuchenden und Einheimischen benannt werden können, "ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden". Ein solches Vorgehen könne Stammtischparolen gegen Ausländer vorbeugen. (bod/KNA)