Eine Prozession in der Grabeskirche.
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Neueste Untersuchungen bringen überraschende Erkenntnisse

Ist das Grab Jesu authentisch?

Seit Jahrhunderten wird in der Jerusalemer Grabeskirche die Begräbnisstätte Jesu Christi verehrt. Manche Wissenschaftler zweifelten jedoch an der Datierung. Jetzt gibt es überraschende Erkenntnisse.

Bonn - 29.11.2017

Laut neuesten Untersuchungen könnte sich die Jerusalemer Grabeskirche tatsächlich über dem ursprünglichen Grab Jesu Christi erheben. Das legt eine wissenschaftliche Analyse des Baumaterials nahe, wie das Magazin "National Geographic" am Dienstag exklusiv berichtete. Demnach sei für die Analyse der Mörtel zwischen der originalen Kalksteinoberfläche des mutmaßlichen Jesus-Grabes und der darauf platzierten Marmorplatte untersucht und auf die erste Hälfte des vierten Jahrhunderts datiert worden. Laut historischen Berichten sollen zu eben jener Zeit die Römer das Grab entdeckt und darüber einen Schrein errichtet haben.

Das Magazin schlussfolgert, dass es sich demnach mit großer Wahrscheinlichkeit um die Reste jenes Grabes handelt, das die alten Römer als Christus-Grab identifizierten. Eben dies wurde in der jüngeren Vergangenheit infrage gestellt. Durch Kriege und Naturkatastrophen war die Grabeskirche im Laufe der Geschichte mehrfach stark beschädigt worden, im Jahr 1009 wurde sie sogar vollständig zerstört und anschließend neu aufgebaut. Deshalb bezweifelten manche Wissenschaftler, dass es sich wirklich um jene Stätte handelt, an der eine römische Delegation zur Zeit Kaiser Konstantins (306 bis 337) die Begräbnisstätte Jesu lokalisiert hatte. Bislang konnten die ältesten architektonischen Zeugnisse des Grabkomplexes auf die Ära der Kreuzzüge datiert werden. Damit wäre dieser höchstens 1.000 Jahre alt gewesen.

Felsengrab entdeckt

Im Mai 2016 begannen an der Grabkapelle ("Ädikula") schließlich Restaurierungsarbeiten, um das marode gewordene Bauwerk zu stabilisieren. Während der Sanierungsmaßnahmen durch ein Team der Nationalen Technischen Universität von Athen wurde auch das mutmaßliche Grab Jesu erstmals seit zwei Jahrhunderten wieder geöffnet. Nach der Abnahme von Verkleidungsplatten waren die Bauleute unter mehreren älteren Schichten auf Teile einer Kalksteinhöhle respektive eines Felsengrabes gestoßen, in das Jesus nach der Kreuzigung – zwischen dem Jahr 30 und 33 – niedergelegt worden sein könnte. Während der Renovierung wurden auch jene Mörtelproben genommen, die jetzt datiert werden konnten. Im März dieses Jahres erfolgte die Wiedereröffnung der Grabkapelle.

Aus einer archäologischen Perspektive lasse sich zwar unmöglich sagen, ob das Grab tatsächlich die Begräbnisstätte eines Juden namens Jesus von Nazaret sei, schreibt der "National Geographic". Doch würden die neuen Datierungen den Bau des heutigen Grabkomplexes zumindest fest in der Zeit Konstantins, des ersten christlichen Kaisers Roms, verorten. Die Ädikula steht indes auch nach der Renovierung weiterhin auf wackeligen Füßen. Kanäle und Hohlräume unterhalb der Grabkapelle sowie große Feuchtigkeit gefährden das Gemäuer dauerhaft. (tmg)