Kardinal Joseph W. Tobin ist Erzbischof von Newark.
US-Kardinal fordert mehr Frauen an der Kurie

Kardinal Tobin: Frauen könnten Kardinäle werden

Kirche - US-Kardinal Joseph Tobin wünscht sich mehr Frauen an wichtigen Positionen in der Kurie. Dabei hält er es auch für möglich, sie in den Kardinalsstand zu erheben. Ein anderes Amt schließt er jedoch aus.

New York - 24.12.2017

US-Kardinal Joseph Tobin sieht theologisch Chancen für die Kardinalsernennung von Frauen. "Vielleicht ist meine Theologie nicht allzu gründlich durchgearbeitet - aber ich sehe keinen zwingenden theologischen Grund, warum der Papst keine Frau ernennen könnte", sagte der Erzbischof von Newark im Weihnachtsinterview der "New York Times" (Sonntag). Er verwies auf Fälle von Laien, die bis ins 19. Jahrhundert die Kardinalswürde erhalten haben.

Tobin: Keine Priesterweihe für Frauen

Zugleich schloss Tobin die Priesterweihe für katholische Frauen kategorisch aus. Dies sei gerade für eine Gesellschaft wie die USA, in der Frauen sonst alles werden könnten, schwer verständlich und halte viele Menschen von der Kirche fern. Der 65-Jährige, der 2016 von Papst Franziskus die Kardinalswürde erhielt, verwies auf die wiederholte Ankündigung des Papstes, die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche aufzuwerten. Vereinzelt gebe es inzwischen Frauen in vergleichsweise hohen Leitungsposten in der römischen Kurie. "Aber ich denke, da muss noch mehr gehen", so Tobin.

Seit 2016 untersucht im Auftrag von Papst Franziskus eine Studienkommission das historische Amt der Diakonin in der Kirche. Das deutsche Kommissionsmitglied Karl-Heinz Menke hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres darauf hingewiesen, dass der Papst theoretisch auch Frauen in den Kardinalsstand erheben könnte. Das Recht zur Teilnahme an der Papstwahl sei demnach nicht zwangsläufig an die Weihe gebunden.

Neben theologischen Themen sprach Tobin im Interview auch über die derzeitige politische Situation in den USA. Dabei zeigte er sich sehr beunruhigt über die Migrationspolitik der US-Regierung. Sie bewege sich "deutlich in Richtung einer Massenausweisung von Flüchtlingen und Einwanderern". Tobin weiter: "Meine Leute sind schon stark eingeschüchtert. Ich befürchte sehr, dass sie [die Regierung] damit weitermachen werden, wenn wir keinen Weg finden, ihre Herzen zu verändern." (kim/KNA)