Papst Franziskus spendet Weihnachten den traditionellen Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) am 25. Dezember 2015 im Vatikan.
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Ansprache vor Segen "Urbi et Orbi": Franziskus beklagt "Kriegsstürme"

Papst ruft zu Frieden in Jerusalem auf

Weihnachten - Franziskus hat vor dem Segen "Urbi et Orbi" die Themen angesprochen, die ihn bewegen: Der Konflikt in Israel und die "Kriegsstürme" in der Welt. Auch zu Flüchtlingen äußerte er sich.

Vatikanstadt - 25.12.2017

Papst Franziskus hat eine "Zuspitzung der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern" beklagt und eindringlich zu Frieden im Nahen Osten aufgerufen. "An diesem Festtag flehen wir zum Herrn um Frieden für Jerusalem und für das ganze Heilige Land; wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wiederaufzunehmen", sagte der Papst am Montagmittag vor dem Segen "Urbi et orbi" auf dem Petersplatz.

Papst geißelt Menschenhandel

Erneut forderte er eine Zwei-Staaten-Lösung in friedlicher Koexistenz, basierend auf "miteinander vereinbarten und international anerkannten Grenzen". Neben Franziskus auf der Mittelloggia des Petersdoms war auch der Vorsitzende der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, zu sehen.

Außerdem geißelte das 81-jährige Kirchenoberhaupt in seiner Ansprache Menschenhandel sowie den Einsatz von Kindersoldaten und rief erneut zur Hilfe für Migranten und Flüchtlinge auf. Konkret verwies er auf das "Drama vieler Zwangsmigranten, die sogar ihr Leben riskieren, um kräftezehrende Reisen auf sich zu nehmen, die zuweilen in Tragödien enden". Mitgefühl und eine Willkommenskultur für Vertriebene waren bereits am Sonntagabend Schwerpunkte seiner Predigt in der Christmette.

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Nach der Jerusalem-Erklärung von US-Präsident Trump will in der Geburtsstadt Jesu kein Frieden einkehren. Deshalb redete in Betlehem der Jerusalemer Erzbischof Pizzaballa den Mächtigen ins Gewissen.

Franziskus beklagte die "Kriegsstürme" in der Welt und mahnte explizit zu Frieden in Syrien, Irak, Jemen, Afrika, Korea, Venezuela und der Ukraine. Es gelte, Jesus in allen Kindern auf der Welt zu sehen, "wo der Frieden und die Sicherheit von der Gefahr durch Spannungen und neue Konflikte bedroht werden" sowie besonders in all denen, "für die wie für Jesus kein Platz in der Herberge ist", sagte der Papst. "Während heute Kriegsstürme über die Welt hinwegfegen und ein inzwischen überholtes Entwicklungskonzept weiterhin zum Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt führt, ruft uns Weihnachten zum Zeichen des Kindes zurück", so Franziskus wörtlich. Er rief dazu auf, gerade Migrantenkinder willkommen zu heißen: "Unser Herz möge nicht verschlossen sein, wie es die Häuser von Betlehem waren."

Zudem forderte der Papst erneut zur Beachtung der Menschenrechte von Minderheiten in Myanmar und Bangladesch auf. Er erhoffe sich, "dass die internationale Gemeinschaft nicht aufhöre, sich dafür einzusetzen, dass die Würde der in der Region anwesenden Minderheiten angemessen geschützt werde".

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Vatikan

Es ist das fünfte Weihnachtsfest, das Franziskus als Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken feiert. Der Papstsegen "Urbi et orbi" von der Mittelloggia des Petersdoms gehört zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten. Wie auch im Vorjahr sprach Franziskus direkt nach seiner Weihnachtsbotschaft das Angelusgebet, bevor er den Segen spendete. Rund 120 Sendeanstalten übertrugen die Zeremonie live. Rund 50.000 Menschen empfingen nach Schätzungen der vatikanischen Gendarmerie den Papstsegen auf dem Petersplatz.

Die Weihnachtsfeiern im Vatikan finden, wie inzwischen üblich, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zugang zum Petersplatz wird nur nach Kontrolle gewährt; rund um den Vatikan sind verstärkt Polizei und Armee zu sehen. (rom/KNA/dpa)

25.12.2017, 16.00 Uhr: ergänzt um Bemerkungen des Papstes zu Myanmar und Bangladesch. /rom