Neu in Rom: der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller.
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Emeritierter Papst schreibt Grußwort zum 70. Geburtstag

Benedikt: Kardinal Müller wird weiter dem Glauben dienen

Auch wenn Gerhard Ludwig Müller nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation ist: "Ein Kardinal ist nie einfach im Ruhestand" – davon zeigt sich sein Freund und Förderer Benedikt XVI. überzeugt.

Vatikanstadt - 27.12.2017

Kardinal Gerhard Ludwig Müller wird auch weiterhin "öffentlich dem Glauben dienen". Davon zeigt sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. in einem Grußwort zu einer Festschrift anlässlich des 70. Geburtstags des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation überzeugt. Müller habe nach dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit als Präfekt zwar "kein bestimmtes Amt mehr inne, aber ein Priester und erst recht ein Bischof und Kardinal ist nie einfach im Ruhestand".

Der emeritierte Papst würdigt in seinem Grußwort das Wirken Müllers in Rom, zunächst als Mitglied der Internationalen Theologenkommission, in der er "vor allem durch den Reichtum Deines Wissens und die von innen her kommende Treue zum Glauben der Kirche aufgefallen" sei. Nach dem Ruhestand von Kardinal William Levada als Präfekt der Glaubenskongregation sei Müller "der am meisten geeignete Bischof" für die Nachfolge des US-Amerikaners gewesen. Als Präfekt habe der vormalige Regensburger Bischof sich bemüht, "nicht nur als Gelehrter, sondern als Weiser, als Vater in der Kirche" zu wirken: "Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können."

Reichtum des Wissens, Treue zum Glauben

In dem vierseitigen Schreiben erinnert sich Benedikt daran, wie ihm Müller 1995 eine Ausgabe seiner "Katholischen Dogmatik für Studium und Praxis der Theologie" geschenkt hat. In der Dogmatik Müllers sieht der emeritierte Papst das Vorhaben einer kompakten Zusammenstellung des Glaubens der Kirche in einem Band als verwirklicht an. Benedikt selbst hatte einen entsprechenden Plan aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben als Konzilstheologe, Erzbischof von München und Freising und schließlich Präfekt der Glaubenskongregation nicht selbst verwirklichen können. Besonders würdigt er Müllers Darstellung des Glaubens der Kirche "als Einheit und Ganzheit", so dass "die letzte Einfachheit des Glaubens durch alle komplizierten theologischen Überlegungen hindurch sichtbar" werde.

Dies sei das Merkmal eines guten Theologen, so Benedikt: "Ein großer Theologe wird man meiner Meinung nach nicht dadurch, dass man gescheite und schwierige Details behandeln kann, sondern dadurch dass man imstande ist, die letzte Einheit und Einfachheit des Glaubens darzustellen."

Das Grußwort ist der Festschrift "Der dreifaltige Gott: Christlicher Glaube im säkularen Zeitalter" vorangestellt, die anlässlich des 70. Geburtstages von Gerhard Ludwig Müller am 31. Dezember. Es wird vom Leiter der Regensburger Benedikt-XVI.-Stiftung, Christian Schaller, und dem Vallendarer Dogmatiker George Augustine herausgegeben. Zu den Autoren gehören Kardinal Reinhard Marx, der jüngst mit dem Ratzinger-Preis ausgezeichnete Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke und der ehemalige Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz, Karl Wallner. Benedikt XVI. selbst bedauert in seinem Grußwort, dass er selbst "nicht mehr in der Lage" gewesen sei, einen "regelrechten wissenschaftlichen Beitrag zu schreiben". (fxn)