Kölner Weihbischof Puff zum Umgang mit Donum Vitae

Erzbistum verlangt Distanzierung von Beratungsschein

Aktualisiert am 31.01.2018  –  Lesedauer: 
Abtreibung

Köln ‐ Kardinal Reinhard Marx hatte Donum Vitae gewürdigt - und ehemaligen Mitarbeitern einen Job in kirchlichen Einrichtungen in Aussicht gestellt. Nun erfolgt seitens des Erzbistums Köln eine "Klarstellung".

  • Teilen:

Das Erzbistum Köln erkennt an, dass sich der Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens) erfolgreich für den Lebensschutz einsetzt. Zugleich betont es in einem aktuellen internen Schreiben, dass ehemalige Donum-Vitae-Beschäftigte, die in der Schwangerenberatung der Erzdiözese tätig werden wollen, sich von ihrer früheren Praxis distanzieren müssten, einen Beratungsschein auszustellen. Denn dieser sei Voraussetzung für einen rechtswidrigen, aber straffreien Schwangerschaftsabbruch, heißt es in dem vom "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch) veröffentlichten Brief des Kölner Weihbischofs Ansgar Puff.

Die Mitarbeiter müssten sich "vollumfänglich" mit dem "esperanza"-Beratungskonzept der Erzdiözese identifizieren und auch bereit sein, dafür öffentlich einzutreten, schreibt Puff als Bischofsvikar für die Caritas an die Träger der "esperanza"-Schwangerschaftsberatungsstellen im Erzbistum Köln. Er bittet diese, "sich in einem ausführlichen Bewerbungsgespräch ausdrücklich davon zu überzeugen, bevor Sie eine Einstellung vornehmen". Donum vitae sei weiterhin eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche. "An Abtreibungen will und darf die katholische Kirche nicht mitwirken", betont der Weihbischof. Sein Schreiben diene dazu, Unklarheiten vorzubeugen.

Kardinal Marx hatte Donum Vitae gewürdigt

Hintergrund des Schreibens ist ein in der vorigen Woche bekanntgewordener Brief von Kardinal Reinhard Marx an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Darin würdigt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz offiziell, dass sich auch der Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens) für den Schutz des Lebens einsetzt und Erfolge in der Konfliktberatung erzielt. Beraterinnen der Organisation stehe die bisher untersagte Übernahme in kirchliche Beratungsstellen offen. Zugleich erinnert er daran, dass die bisherigen kirchlichen Vorschriften in dieser Frage weiterhin gültig seien.

Donum Vitae wurde 1999 von prominenten Katholiken gegründet, nachdem die Kirche in Deutschland auf Weisung von Papst Johannes Paul II. aus dem staatlichen System der Konfliktberatung ausgestiegen war. Der damalige Papst sah durch den Beratungsschein, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist, das kirchliche Zeugnis für den Lebensschutz verdunkelt. Donum Vitae stellt den Schein auf Wunsch weiter aus; zur Begründung heißt es, nur diese Möglichkeit biete die Chance, auch solche Frauen zu erreichen, die mit Blick auf die Fortsetzung der Schwangerschaft noch unentschlossen sind. (KNA)

Bild: ©KNA

Weihbischof Ansgar Puff ist Bischofsvikar für die Caritas im Erzbistum Köln.

Der Brief von Weihbischof Ansgar Puff

Katholisch.de dokumentiert den Brief von Weihbischof Ansgar Puff an die Träger der "esperanza"-Schwangerschaftsberatung im Erzbistum Köln im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben sicherlich in den letzten Tagen der Presse entnommen, dass sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in einem Schreiben an den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zur Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung des Vereins donum vitae geäußert hat.

Um Unklarheiten vorzubeugen, wende ich mich heute als Bis chofsvikar für die Armen und die Caritas an Sie.

Im Schreiben an das ZdK heißt es:
"Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von donum vitae ebenso wie der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Lebens ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von donum vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind ... Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein."

Zu Recht wird festgestellt, dass sich auch die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung des donum vitae e.V. erfolgreich für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzt.

Weiter heißt es in o. g. Schreiben: "Deshalb halte ich es für selbstverständlich, dass Personen, die in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des donum vitae e.V. gearbeitet haben, in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können (...)."

Zur Klarstellung: Der Eintritt einer ehemaligen donum vitae-Beschäftigten in den Dienst einer bischöflich verantworteten Schwangerschaftsberatungsstelle "esperanza" im Erzbistum Köln setzt zwingend voraus, dass sich diese Bewerberin von der bisherigen Schwangerschaftskonfliktberatungspraxis, zu der die Ausstellung des Beratungsscheins für einen zwar rechtswidrigen, aber straffreien Schwangerschaftsabbruch gehört, distanziert und sich vollumfänglich mit dem"esperanza"-Beratungskonzept identifiziert und auch bereit ist, dafür öffentlich einzutreten. Ich bitte Sie daher, sich in einem ausführlichen Bewerbungsgespräch ausdrücklich davon zu überzeugen, bevor Sie eine Einstellung vornehmen.

Ansonsten hat das Schreiben keinen weiteren Einfluss auf die praktische Arbeit der "esperanza"-Beratungsstellen. Die grundlegende Position der katholischen Kirche zum Thema Abtreibungen wird dadurch nicht verändert. An Abtreibungen will und darf die katholische Kirche nicht mitwirken. Donum vitae ist weiterhin eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche. Zwischen den katholischen Beratungsstellen und den Beratungsstellen von donum vitae sind keine institutionellen und personellen Kooperationen möglich.

Ich danke Ihnen als Verantwortliche der Caritasverbände, des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) im Erzbistum Köln und den Beraterinnen und Väterberatern sehr für Ihren beherzten und tatkräftigen sowie vielfältigen Einsatz zum Schutz des Lebens von seiner Empfängnis an.

Sicher ergibt sich bei meinen kommenden Visitationsgesprächen im Pastoralbezirk Süd die Gelegenheit, bei Bedarf zumindest mit einigen von Ihnen über das Schreiben von Kardinal Marx noch einmal ins Gespräch zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Weihbischof Ansgar Puff