Papst Franziskus feiert die Osternacht
Bild: © KNA
Franziskus tauft in Osternachtsfeier acht Erwachsene

Papst: Ostern ist Glaube gegen "erdrückende Routine"

Ostern - Papst Franziskus hat am Samstagabend die Osternachtsfeier im Petersdom gefeiert. Er nutzte die Messe auch, um die "verwirrten" und "erstarrten" Menschen aus ihrer Lähmung zu reißen.

Vatikanstadt - 01.04.2018

Papst Franziskus hat in der Osternacht zu mehr Engagement gegen Ungerechtigkeit aufgerufen. In der Liturgie im Petersdom in Rom prangerte er am Samstagabend die Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit der Menschen an. Ostern sei eine Einladung, "mit eintönigen Angewohnheiten zu brechen, unser Leben, unsere Entscheidungen und unsere Existenz zu erneuern", sagte Franziskus vor tausenden Gläubigen.

"Es ist der Jünger von heute, der in Anbetracht einer Wirklichkeit verstummt ist, die (...) glauben macht, dass man nichts tun kann, um so viele Ungerechtigkeiten zu überwinden, die viele unserer Brüder in ihrem Fleisch durchleben", fuhr er fort. Der "verwirrte Jünger" sei in einer "erdrückenden Routine eingetaucht, die ihn des Gedächtnisses beraubt", so der 81 Jahre alte Papst.

Das leere Grab des Ostermorgens "will aufrütteln, uns ermuntern zu glauben und Zuversicht zu haben", dass Gott überall und zu jedem Menschen "Zugang findet", sagte Franziskus. "Ostern feiern bedeutet, erneut zu glauben, dass Gott einbricht (...), indem er unseren einförmigen und lähmenden Determinismus herausfordert."

Taufe eines als Helden gefeierten Mannes

Zu der festlichen Messe waren einige Tausend Gläubige in den Petersdom gekommen, unter ihnen zahlreiche Kardinäle und Bischöfe. In dem Gottesdienst taufte der Papst auch drei Frauen und fünf Männer aus Italien, Albanien, Nigeria, USA und Peru. Der Migrant aus Nigeria wurde in Italien als Held gefeiert, weil er einen bewaffneten Überfall durchkreuzt hat. Weiter spendete der Papst ihnen die Erstkommunion und die Firmung. Im frühen Christentum war die Osternacht der übliche Tauftermin. Für Erwachsenentaufen empfiehlt die katholische Kirche ihn heute noch.

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Franziskus führte in seiner Predigt weiter aus, die "erdrückende Routine" sowie die Parole "Das hat man schon immer so gemacht" ließen auch heute in Christen die Hoffnung verstummen. Die Botschaft des Engels am leeren Grab, Christus sei auferstanden, wolle aber auch heute tiefste Gewissheiten erschüttern, die Art, die täglichen Geschehnisse zu beurteilen und anzugehen, mahnte der Papst.

Die festliche Liturgie zur Auferstehung Christi begann in der Vorhalle des Petersdoms. Dort weihte der Papst das Osterfeuer und entzündete daran die Osterkerze. Anschließend zog Franziskus mit der Osterkerze in einer langen Prozession von Kardinälen und Bischöfen in die zunächst noch dunkle Basilika ein.

Weiterer Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten in Rom ist am Sonntagmorgen die Ostermesse auf dem Petersplatz mit dem anschließenden Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt Rom und dem Erdkreis). Diesen spendet der Papst vom Balkon des Petersdoms aus. Dazu werden mehrere Zehntausend Gläubige aus aller Welt erwartet. Zudem wird die Feier live in viele Länder übertragen. Nach mehreren Festnahmen von Terrorverdächtigen in Italien in den vergangenen Tagen gelten striktere Sicherheitsvorkehrungen. (luk/KNA/dpa)