Die Saint Mary-Kathedrale in Mineapolis.
Erzbischof Hebda richtet Fonds für 450 Opfer ein

Missbrauch: US-Erzbistum zahlt 210 Millionen Dollar

Das Erzbistum Saint Paul und Minneapolis will Missbrauchsopfern die höchstmögliche Entschädigung zahlen und hat deswegen einen Fonds eingerichtet - mit der zweithöchsten Summe in der Geschichte der Kirche in den USA.

Washington - 01.06.2018

Das Erzbistum Saint Paul und Minneapolis zahlt rund 210 Millionen US-Dollar (umgerechnet 179,7 Millionen Euro) an Missbrauchsopfer. Das kündigte die Erzdiözese gemeinsam mit Opferanwälten am Donnerstag (Ortszeit) an. Die Summe von exakt 210.290.724 US-Dollar fließe in einen Fonds, aus dem dann die insgesamt 450 Missbrauchsbetroffenen entschädigt würden, zitierten US-Medien den Anwalt Jeff Anderson. Zugleich sollen die Finanzen des vom Bankrott bedrohten Erzbistums grundlegend neu organisiert werden.

Erzbischof Bernard Hebda zeigte sich zufrieden über das Ergebnis, dem die Opfer noch zustimmen müssen, was aber als sicher gilt. An die Betroffenen gewandt sagte Hebda, ihnen seien Kindheit, Vertrauen und in vielen Fällen auch der Glaube gestohlen worden. Das Erzbistum zahle ihnen nun die höchstmögliche Entschädigung.

Insgesamt sollen sich in den vergangenen Jahrzehnten 91 Priester aus dem Erzbistum des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Erzbischof John Nienstedt war 2015 wegen des Vorwurfs zurückgetreten, das Erzbistum habe beim Schutz Minderjähriger versagt. Darauf ernannte Papst Franziskus den heute 58-jährigen Hebda zu dessen Nachfolger.

Die nun ausgehandelte Entschädigungssumme ist die zweithöchste, die jemals von einem US-Bistum für Missbrauchsopfer zur Verfügung gestellt wurde. 2007 zahlte die Erzdiözese Los Angeles 660 Millionen US-Dollar an 508 Opfer. (KNA)