Die mit Handschellen gefesselten Hände eines Mannes hinter seinem Rücken.
Der Franzose sieht seiner 24. Verurteilung entgegen

Serienbetrüger "Don Romano" steht wieder vor Gericht

Kriminalität - Seit über 30 Jahren gibt sich Edmond Romano als Priester aus, obwohl er es nicht ist. Nun steht der Betrüger erneut vor Gericht. Dabei hat "Don Romano" doch ein geistliches Anliegen, sagt sein Anwalt.

Von Kilian Martin |  Bonn - 15.06.2018

Dreiundzwanzigmal bereits wurde "Don Romano" wegen seiner Betrügereien verurteilt. Nun steht der Hochstapler erneut vor Gericht. Im südfranzösischen Toulon wird dem 60-jährigen Edmond Romano der Prozess gemacht, weil er wieder einmal sein wollte, was er nicht ist: ein katholischer Priester. Wie französische Medien berichten, soll der Prozess gegen den mehrfach vorbestraften Betrüger am Freitag beginnen. Ende Mai war Romano in Toulon verhaftet worden, nachdem er sich zum wiederholten Mal als Geistlicher ausgegeben hatte.

Die Geschichte des Kriminalfalls an der Côte d’Azur beginnt im Juli 2017, wie die Zeitung "La Croix" berichtet. Damals habe Samuel Chaboussou, Vikar in der Pfarrei Saint-Georges, bei einer Veranstaltung einen gewissen "Don Romano" kennen gelernt. Dieser habe ihm erzählt, als Sekretär im Staatssekretariat des Vatikan zu arbeiten. Romano blieb als Gast in Toulon, feierte die Messe, nahm an einer Prozession teil, spendete Gläubigen das Bußsakrament.

In der Nacht kam die Polizei

Zehn Monate später stand Romano nun wieder vor der Tür des Pfarrhauses – mit blauem Auge und in Zivilkleidung. Er erzählte Chaboussou von einem Überfall im nahegelegenen Marseille, bei dem er alle Papiere und Bargeld verloren habe. Der junge Vikar habe den Verletzten in sein Pfarrhaus gebeten und sich seiner angenommen, ihm mit einem neuen Kollarhemd, einem Brevier und 350 Euro in bar geholfen, berichtet Radio RTL. Dem Diakon der Pfarrei sei die Geschichte vom Vatikan-Mitarbeiter jedoch seltsam vorgekommen, woraufhin er im Internet nach "Don Romano" geforscht habe. Dort sei er auf einen Jahrzehnte alten Bericht über den Betrüger gestoßen – noch in der Nacht klickten im Pfarrhaus von Toulon die Handschellen, heißt es bei "La Croix".

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Der Artikel, den der Diakon entdeckt hatte, stammt aus dem Jahr 1998. Damals hatte die Tageszeitung "Libération" getitelt: "'Don' Romano, der Weihwasser-Gauner". Umfangreich hatte das Blatt damals über Romanos betrügerisches Gastspiel in der Vogesenkleinstadt Épinal berichtet. Auch damals hatte er sich als Mitarbeiter eines Kurienkardinals ausgegeben. Bis sein Schwindel aufflog, habe Romano gute Bekanntschaften gepflegt und sei als angenehmer Zeitgenossene aufgefallen, entnimmt man den Berichten von damals. Als er später enttarnt wurde, verschwand er mit einigen Schecks aus der Privatschatulle des Pfarrers. Bei Wirt Jean-Marie Cholley habe er zudem eine üppige Zeche hinterlassen, erinnerte der sich gegenüber der "Libération": Romano sei stets im Kollarhemd in die Bar gekommen, habe dort sogar einigen Gläubigen die Beichte abgenommen – und an guten Abenden zehn, zwölf Gläser Pastis genossen.

Im Laufe seiner Gaunerkarriere, die laut Medienberichten in den frühen 1980er Jahren begonnen hat, trat Romano häufiger als falscher Priester auf. Andernorts gab er sich als Justizbeamter oder Abgeordneter aus. Gemein scheint den Maschen zu sein, dass sie aufgrund seines Charmes kurze Zeit funktionierten und nie größeren Schaden nach sich zogen.

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Getarnt mit einem Priesterkragen versuchte ein mutmaßlicher Drogenschmuggler sein Glück am römischen Flughafen Fiumicino. Doch der Plan des Mannes ging nicht auf.

Als erfolgreichen Verbrecher kann man Edmond Romano jedoch schwerlich bezeichnen, den Berichten zufolge ist der geschiedene Vater von zwei Kindern derzeit obdachlos. In die Kriminalität sei er nach gescheiterten Versuchen als Unternehmer gerutscht. Nach 23 Verurteilungen seit 1984 steht Edmond Romano nun wieder als Betrüger vor Gericht, das jedoch zu Unrecht, wie sein Anwalt findet. "Das mag manche empören, aber ich denke, dass Edmond Romano einen starken Glauben hat und es wirklich liebt, andere daran teilhaben zu lassen", erklärte Richard Gianelli gegenüber "La Croix". Wenn sich "Don Romano" als Priester ausgebe, dann nicht, um sich zu bereichern, sondern um eine spirituelle Beziehung zu den Gläubigen aufzubauen.

Kloster statt Knast

Dass Romano das tatsächlich geschafft hat, bezeugen die Berichte seiner früheren Opfer. Ein geprellter Hotelier etwa sagte der "Libération", er habe mit dem falschen Priester eine Freundschaft aufgebaut. "Denn ich wollte ja auch einmal Priester werden, so wie er." Als ihm selbst der Betrug aufgefallen war, habe er eine Wahl getroffen "zwischen menschlicher und göttlicher Gerechtigkeit". Der Hotelier habe sich dafür entschieden, den Herrn über "Don Romano" urteilen zu lassen. Er brachte ihn nicht etwa zur Polizei, sondern in ein weit entferntes Kloster: "Er wollte  Buße leisten."

Dorthin wird Edmond Romano wohl nicht so schnell zurückkehren. Selbst wenn er nach einer neuerlichen Verurteilung nicht wieder ins Gefängnis muss, dürften mittlerweile viele Kirchenvertreter in Frankreich gewarnt sein vor dem falschen Priester. Was aber nicht bedeuten muss, dass "Don Romano" alle Kredite verspielt hat. Selbst der jüngst geschädigte Vikar Chaboussou gab in der "La Croix" zu, für den Hochstapler zu beten: "Es bereitet mir einige Schmerzen. Aber als Mensch interessiert er mich."

Von Kilian Martin