Landesbischof Markus Dröge
Karikatur zum umstrittenen Nationalstaatgesetz

Bischof kritisiert Israel-Karikatur in Kirchenzeitung

Antisemitismus - Die evangelische Wochenzeitung "Die Kirche" hat eine Karikatur zum umstrittenen Nationalstaatgesetz in Israel veröffentlicht. Der Berliner Landesbischof Markus Dröge nennt diese "vollkommen inakzeptabel".

Berlin - 03.08.2018

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge hat eine Karikatur der Wochenzeitung "Die Kirche" in seiner Landeskirche als "vollkommen inakzeptabel" kritisiert. "Hier wird mit Bildern suggeriert, es seien 'die Juden', die 'die Araber' in Israel beiseite drücken, aushungern, zerquetschen wollen", schreibt Dröge als Mitherausgeber in der am Donnerstag erschienenen Ausgabe. Angesichts der vielschichtigen Problemlage gegenwärtig im Nahen Osten "dienen einseitige Zuschreibungen von Schuld verbunden mit platten religiösen und ethnischen Identifizierungen nicht der so notwendigen Versöhnung. Im Gegenteil: Sie gießen Öl ins Feuer!", fügte er hinzu.

Die in der vergangenen Ausgabe abgedruckte Karikatur zum umstrittenen Nationalstaatsgesetz in Israel zeigt einen dicken Fisch mit der Aufschrift "Juden", den Premierminister Benjamin Netanjahu in einem Aquarium "Israel" füttert, worin ein deutlich kleinerer Fisch "Araber" zur Seite gedrängt wird.

Kein vorsätzlicher Antisemitismus

Die Redaktion ihrereits entschuldigt sich auf der Titelseite: "Wir bedauern zutiefst diese Karikatur und die damit möglicherweise einhergehende, unsererseits tatsächlich völlig unbeabsichtigte Verunglimpfung unserer jüdischen Schwestern und Brüder." Es handele sich um eine "nicht zu entschuldigende Geschmacklosigkeit". Man habe "viel zu kurz gedacht" und sich zu wenig intern beraten. "Selbstverständlich gibt es in Redaktion und Verlag keinen Antisemitismus, auch keinen verdeckten Antijudaismus."

Auch Dröge bestätigte nach Gesprächen mit Verlag und Redaktion, dass kein vorsätzlicher Antisemitismus im Spiel gewesen sei. "Aber es sind ja gerade die unbedachten Haltungen, mit denen Klischees und einseitige Zuschreibungen gedankenlos transportiert werden, die heute wieder den Nährboden für Antisemitismus bieten", so der Bischof. (KNA)

Hinweis zur Karikatur

Katholisch.de wird die im Artikel genannte Karikatur nicht zeigen. Sie ist allerdings auf der Homepage der vom Zentralrat der Juden herausgegeben Zeitung "Jüdische Allgemeine" zu sehen.