Die Bronzestatue zeigt einen Mann mit Vollbart, die Kaiserkrone auf dem Kopf, Zepter in der rechten, den Reichsapfel in der linken Hand. Im Hintergrund weht die EU-Fahne.
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1.250 Jahre Königskrönung

Karl der Große – Begründer des christlichen Europas

Karl der Große hat das werdende Europa maßgeblich gestaltet – mit harter Hand und politischem Geschick einte er das Reich und christianisierte vormals heidnische Gebiete. Am 9. Oktober 768 wurde er zum König gesalbt.

Von Anselm Verbeek (KNA) |  Bonn - 09.10.2018

Karl und sein jüngerer Bruder Karlmann haben sich nie vertragen. Als ellbogenstarke Königssöhne auf Durchsetzungskraft getrimmt, belauerten sie einander als Rivalen im Kampf um die Macht. Nach dem Tod ihres Vaters Pippin traten die Brüder an demselben Tag vor 1.250 Jahren, dem 9. Oktober 768, die Herrschaft an: Karl in der nordfranzösischen Bischofsstadt Noyon an der Oise, Karlmann im benachbarten Soissons.

Pippin hatte das fränkische Reich wie Familieneigentum geteilt. Auch Aquitanien im Südwesten Frankreichs, wo sich Widerstand gegen die Karolinger regte, war den Brüdern gemeinsam zur Herrschaft übertragen. Als der eher zögerliche Karlmann einen Feldzug verweigerte, nahm Karl Aquitanien im Alleingang.

Von Gottes Gnaden

Die Spannungen zwischen den Brüdern wuchsen. Karls Vater Pippin hatte seine königsgleiche Stellung als Hausmeier der nur noch formal amtierenden Merowinger genutzt, um sich selbst auf den fränkischen Thron erheben zu lassen. Dabei unterstützte ihn der Papst. Das raue germanische Heerkönigtum war christlich gezähmt: Die Würde des Amtes war "von Gottes Gnaden" verliehen, zu verantworten vor dem Weltgericht.

Karl hatte den Bund der Franken mit dem Papst hautnah erlebt. Der siebenjährige Prinz war 754 von Stephan II. in der Pariser Kathedrale Saint-Denis gesalbt worden. Die Königsfamilie hatte sich mit dem Bund zwischen Franken und dem Papst auch zum Schutz des Kirchenstaats verpflichtet, den Pippin mit seiner Schenkung gegründet hatte. Es oblag nun den Frankenherrschern, den Heiligen Stuhl gegen Übergriffe der Langobarden zu schützen. Da ließ sich Karl auf eine Heirat mit einer langobardischen Prinzessin ein. In Rom war man entsetzt über dieses Ehebündnis mit einer Frau aus "dem treulosen... Volk", das den Kirchenstaat nicht achtete.

Der Tod kam dem Bruderkrieg zuvor

Kurz bevor es zum Bruderkrieg kam, starb Karlmann unerwartet im Dezember 771. Karl riss daraufhin die Alleinherrschaft im Frankenreich an sich. Als in Rom ein junger dynamischer Pontifex, Hadrian I., den Stuhl Petri bestieg, verstieß Karl seine lombardische Gattin und erneuerte das Bündnis mit dem Papsttum.

Papst Leo III. krönt an Weihnachten im Jahr 800 Karl den Großen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.

Papst Leo III. krönt an Weihnachten im Jahr 800 Karl den Großen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.

Im Anschluss eroberte Karl das Reich der Langobarden, bis tief in Italiens Süden. So konnte das Frankenreich expandieren; gesichert wurden die Eroberungen von der Elbe bis zum Ebro mit Grenzmarken. Den "langwierigsten, grausamsten und anstrengendsten aller Kriege" führte der König aber gegen die Sachsen, wie Karls Biograph, der fränkische Gelehrte Einhard, analysierte.

Er brach die heidnischen Sachsen

Über drei Jahrzehnte dauerte der Kampf, bei dem Karl unter anderem die Irminsul, eine gewaltige Holzsäule und kultischer Mittelpunkt der heidnischen Sachsen, zerstörte. Auf dem Reichstag 777 in Paderborn ließ er Sachsen in Missionsbezirke aufteilen. Doch es gärte weiter; unter Führung Widukinds entbrannte ein Guerillakrieg, bis 804 flammten Aufstände auf. Karl bekämpfte den Widerstand mit härtesten Mitteln, auch der Todesstrafe. Zuletzt brachen Deportationen die sächsische Unbeugsamkeit.

Wie im gesamten Reich führte Karl schließlich auch in Sachsen und Bayern die politisch-kirchliche Ordnung nach Grafschaften und Bistümern ein. Einhard konnte behaupten, dass Sachsen und Franken "ein Volk" geworden seien, geeint durch einen Glauben und einen König, den der Papst am Weihnachtsfest 800 zum Kaiser krönte.

Der Karlsschrein im Aachener Dom.

Der Karlsschrein im Aachener Dom.

Der Frankenkönig zog die besten Köpfe Europas an seinen Hof. Ihr Haupt war der Angelsachse Alkuin, sein Nachfolger der Mainfranke Einhard. Sie alle einte das Ziel, den Vielvölkerstaat des fränkischen Europas Gestalt werden zu lassen. Vereinheitlichung und Normierung waren Leitideen der Gesetzgebung. Karl, der Kämpfer und Macher, widmete sich als Kaiser aus echtem persönlichen Interesse der Bildungs- und Kirchenreform.

Inbegriff königlicher Macht

Er war inzwischen zum Inbegriff von königlicher Macht geworden: In den westslawischen Sprachen wurde sein Eigenname zum Terminus für König, polnisch Krol. Viele Zeitgenossen, vor allem Kirchenmänner, nannten ihn "Vater Europas". Angesichts der multikulturellen Dynamik des Kontinents glaubte der Franke an die einheitsstiftende Kraft des christlichen Kaisertums.

In den letzten Lebensjahrzehnten hielt sich Karl vornehmlich in seiner Pfalz Aachen auf, wo er die Jagdgründe und heißen Quellen liebte. Als der Herrscher am 28. Januar 814 gestorben war, wurde der große Franke in seiner Pfalzkapelle, der Aachener Marienkirche beigesetzt.

Von Anselm Verbeek (KNA)