Ein Kreuz und ein Blutfleck
Adveniat-Referent berichtet vom Besuch in Tijuana

Deshalb werden in Mexiko so viele Priester ermordet

Weltweit wurden seit Jahresbeginn 29 Priester getötet. Einsam an der Spitze der gefährlichsten Länder für Geistliche: Mexiko. Das ist kein Zufall, sagt Adveniat-Referent Reiner Wilhelm.

Mexiko-Stadt - 17.10.2018

Die jüngste Mordserie an katholischen Priestern in Mexiko ist nach Einschätzung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ein gezielter Versuch, die Zivilgesellschaft zu schwächen. "Mit Icmar Arturo Orta ist bereits der siebte Priester in diesem Jahr ermordet worden. Vieles spricht dafür, dass das organisierte Verbrechen dahintersteckt: Bedrohung, Entführung, Folter, Ermordung", sagte der Mexiko-Referent von Adveniat, Reiner Wilhelm, der gerade aus Tijuana nach Deutschland zurückgekehrt ist, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die organisierte Kriminalität ziele darauf ab, die Gesellschaft zu schwächen, in dem man ihr "teilweise im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf abhackt", so Wilhelm.

Die Leiche Ortas war am Sonntagabend aufgefunden worden. Sie wies nach Medienberichten Folterspuren auf und war an Händen und Füßen gefesselt. Es gebe viele "Anzeichen brutaler Gewalteinwirkung", darunter Einschüsse, hieß es. Der Pfarrer der Gemeinde San Luis Rey de Francia galt seit Freitag als vermisst. Die mexikanische Kirche hat die Behörden aufgefordert, die Ermittlungen voranzutreiben. "Wir vertrauen darauf, dass die Autoritäten den Vorfall aufklären", heißt es in einer Stellungnahme der mexikanischen Bischofskonferenz aus der lokale Medien am Dienstag (Ortszeit) zitierten.

Die traurige Bilanz unter Präsident Pena Nieto

Hinter den Priestermorden stecke Kalkül, so Adveniat-Referent Wilhelm. "Sie nehmen den Gemeinden die Hoffnung und mahnen: 'Passt auf, was ihr dem Pfarrer erzählt!' Die Priester sind gut vernetzt und erfahren auch durch die Beichte sehr viel. Ihr Wissen und ihr soziales Engagement können den Kartellen gefährlich werden." Die Zahl der Priestermorde hat unter Präsident Pena Nieto drastisch zugenommen: "Die traurige Bilanz seiner Amtszeit lautet 26 ermordete und zwei verschwundene Priester", sagte Wilhelm.

Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder der Welt für katholische Geistliche. Allein im Jahr 2016 wurden 520 Mord- und Gewaltdrohungen gegen katholische Geistliche registriert, die überwiegend von Drogenkartellen ausgingen. Bereits in der Amtszeit von Präsident Felipe Calderon (2006-2012), der mit dem Krieg gegen die Drogen begann, wurden insgesamt 24 Geistliche ermordet. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation für Priester in Mexiko aber noch einmal verschlechtert. Nach Angaben des Katholischen Multimedia-Zentrums (CCM) sind allein seit Jahresbeginn sieben Geistliche in Mexiko ermordet worden. Weltweit beläuft sich die Zahl der ermordeten Priester in diesem Zeitraum auf 29. (bod/KNA)