Ein grimmer Schnitter ist der Tod
Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Ein grimmer Schnitter ist der Tod

Mitten im Leben sind vom Tod wir umgeben – erst recht im November. Joachim Heinz blickt satirisch auf eine Woche voller morbider Höhepunkte zurück: Blutige Paramente, gut abgehangene Priesterleichen und wanderlustige Diktatorengebeine.

Von Joachim Heinz |  Bonn - 10.11.2018

Der Wonnemonat November, wir als gute Christen wissen das, ist dazu angetan, der Endlichkeit alles Irdischen zu gedenken. Aber was uns diese Woche an Moribundem und Morbidem serviert wurde, fährt uns doch arg ins Gebein. Der Fußball ist tot – haben Sie's mitbekommen? Ausgeweidet und der Verwesung preisgegeben von Fifa, Uefa und Co.

Wir wollen seiner in Stille gedenken. Und uns an all die schönen Momente erinnern, die er uns bescherte, bevor die Luft endgültig aus ihm wich. Zuletzt der großartige Pfostenschuss der apokalyptischen Reiter um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München, die den Aasgeiern von der Presse erst das Grundgesetz und dann die Leviten lasen – wir hatten Tränen in den Augen.

Immerhin: eine Art Trikottausch sorgte in den vergangenen Tagen doch noch für Schlagzeilen. Der Vatikan plant, die blutige Tunika von Thomas Becket an Großbritannien, genauer nach Canterbury, zurückzugeben.  Weil Kirche bekanntermaßen in Äonen denkt, ist die Übergabe des Leibchens erst für 2020 geplant. Dann sind es 800 Jahre her, dass Becket nach Streitigkeiten mit König Heinrich II. in der Kathedrale von Canterbury getötet wurde. Fraglich ist offenbar auch noch, ob das Stück Stoff nur als Leihgabe oder dauerhaft über den Ärmelkanal wandert. Ein Elfmeterschießen kann nicht spannender sein.

Als Untoter durch den Blätterwald geistert unterdessen Spaniens früherer Diktator Francisco Franco. Zu Lebzeiten ließ der Mann Abertausende ermorden und verschwinden. Sich selbst gönnte er eine monumentale Ruhestätte in der Sierra de Guadarrama vor den Toren Madrids inklusive Kreuz und Kirche. Nun soll der 1975 verblichene Verbrecher ausziehen. Aber wohin nur mit den Resten des Caudillo? Ihn in die für rechtsextreme Schlachtenbummler gut erreichbare Kathedrale im Herzen Madrids zu verfrachten, wie das die Familie offenbar wünscht, scheint nicht die beste aller Ideen.

Lange nichts mehr gehört haben wir von unserm Franz – nicht dem Kaiser, dem Beckenbauer, sondern von Franz Xaver Sydler von Rosenegg, dem Ötzi unter Österreichs Vikaren. Eingefleischten Fans ist der mumifizierte Leichnam aus dem 18. Jahrhundert besser bekannt als "Luftg'selchter Pfarrer". Videobeweise und gründliche Forschungen haben nun ergeben: Der "lederne Franzl" war zu Lebzeiten wohlgenährt und ein Pfeifenraucher vor dem Herrn.  Womit ein weiteres Mal bewiesen wäre, dass Rauchen die Gesundheit schädigt, ja sogar des eigenen Daseins Schlusspfiff schneller herbeiführen kann, als einem möglicherweise lieb ist.

Alles Anrennen gegen den Tod, diese Erkenntnis teilen wir mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist indes vergebens. Mehr noch: Ewiges Leben kann man sich nicht kaufen. Der einzige, der dies bestreitet, dürfte vermutlich US-Präsident Donald Trump sein: Fake News! Wie gerne würden wir ihn auswechseln. Aber die Kongresswahlen zeigen: Das Elend geht wohl in die Verlängerung, weiter wüten darf der grimme Twitter-Schnitter. Und damit zurück in die angeschlossenen Sendeanstalten.

Von Joachim Heinz

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"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren samstags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.