Ostdeutschland hat seine erste "Basilica minor"
Papst verleiht Wallfahrtskirche in Wechselburg Ehrentitel

Ostdeutschland hat seine erste "Basilica minor"

Erstmals ist ein Gotteshaus in den neuen Bundesländern zur "Basilica minor" erhoben worden. Bei der Zeremonie betonte der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic die Bedeutung der Klosterkirche in Wechselburg.

Von Steffen Zimmermann |  Wechselburg - 13.11.2018

Besondere Ehre für Sachsen: Die Wallfahrtskirche in Wechselburg ist nun offiziell die erste päpstliche "Basilica minor" in den fünf neuen ostdeutschen Bundesländern. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, verlas am Montag in einem Festgottesdienst in dem nördlich von Chemnitz gelegenen Ort die Urkunde, mit der Papst Franziskus die Heilig-Kreuz-Kirche des Benediktinerklosters zur päpstlichen Basilika erhob. Im Beisein des Dresdner Bischofs Heinrich Timmerevers, zu dessen Bistum Wechselburg gehört, und des Ettaler Abtes Barnabas Bögle enthüllte Eterovic zudem das Papstwappen am Eingangsportal.

Der Nuntius betonte in seiner Predigt vor rund 300 Gläubigen, dass die Wechselburger Basilika von nun an in besonderer Weise mit dem Papst verbunden sei; diese Beziehung werde durch das Papstwappen über dem Eingangsportal der Kirche sichtbar. Eterovic nannte das Gotteshaus zugleich einen "besonderen Ort der Begegnung mit Gott". Für die Erhebung einer Kirche zur Basilika sei nicht allein die Architektur oder die historische Bedeutung ausschlaggebend, "sondern vielmehr, dass sie lebendige Zentren des katholischen Glaubens sind, was sich in den vielfältigen pastoralen Aktivitäten und insbesondere in der Schönheit und Feierlichkeit der Liturgien spiegelt". Alles müsse so ausgerichtet sein, "die Begegnung des zeitgenössischen Menschen mit dem dreieinen Gott zu erleichtern".

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Das Kloster Wechselburg wurde vor 850 Jahren gegründet und vor 25 Jahren wiedererrichtet. Wie es zu seinem Namen kam und vor welcher Herausforderung die Mönche dort heute stehen, erfahren Sie im Text. (Artikel von August 2018)

Bischof Timmerevers wertete die päpstliche Auszeichnung als Beleg dafür, dass die Basilika ein "besonderes Glaubenszentrum" des Bistums Dresden-Meißen sei, das Menschen auch weit über die Region hinaus anziehe. "Das Datum dieses Tages wird in die Geschichte dieser Basilika eingehen. Wir können Gott danken, dass es diesen besonderen Ort in unserem Bistum gibt", so der Oberhirte der Katholiken in Sachsen.

Der Abt des Benediktinerklosters Ettal, Barnabas Bögle, nannte die Erhebung der Klosterkirche zur päpstlichen Basilika eine "besondere Ermutigung für die, die Tag für Tag hier beten". Zugleich rief er zum Gebet dafür auf, "dass sich unserer Gemeinschaft mutige Männer anschließen, um Gebet und Arbeit zu verbinden". Das Kloster Wechselburg wurde vor 850 Jahren gegründet und 1543 im Zuge der Reformation aufgelöst. Die bayerische Abtei Ettal gründete das Kloster 1993 auf Einladung des Bistums Dresden-Meißen neu, um die katholische Minderheit in Ostdeutschland nach dem Ende der DDR zu unterstützen. Derzeit leben dort drei Mönche, die sich in der Wallfahrt- und Pfarrseelsorge sowie in der Polizeiseelsorge engagieren. Zudem führen sie ein Jugend- und Familienhaus.

Die Basilika ist bis heute der architektonische und spirituelle Mittelpunkt der Wechselburger Klosteranlage. Die dreischiffige Pfeilerbasilika auf einem kreuzförmigen Grundriss zählt zu den am besten erhaltenen romanischen Kirchen östlich der Saale. Das kunsthistorisch wertvollste Ausstattungsstück der Basilika ist der Lettner, der den Chorraum der Mönche mit der Krypta vom übrigen Kirchenschiff trennt.

Blick auf die Anlage von Kloster Wechselburg in Mittelsachsen. In der Bildmitte befindet sich die spätromanische Basilika.

Die Initiative zur Erhebung des Gotteshauses zur "Basilica minor" war von Bischof Timmerevers ausgegangen, der eine Bitte der dortigen Mönche aufgegriffen hatte. Mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz hatte das Bistum Dresden-Meißen den entsprechenden Antrag mit detaillierten Angaben zur Baugeschichte, zur Ausstattung der Kirche sowie dem kirchlichen Leben vor Ort im Vatikan eingereicht. Nach Prüfung durch die Gottesdienstkongregation hatte Timmerevers auf der Bistumswallfahrt im September bekanntgegeben, dass der Papst der Kirche den Titel "Basilica minor" verliehen habe.

Weltweit gibt es rund 1.500 Kirchen mit dem Ehrentitel "Basilica minor", in Deutschland nunmehr 77. Die meisten dieser Kirchen in der Bundesrepublik befinden sich im Erzbistum Köln, das über 13 Basiliken verfügt. Danach folgen die Bistümer Trier (9), Augsburg (6) und Regensburg (5). Die erste Kirche in Deutschland, die mit dem Ehrentitel ausgezeichnet wurde, war 1897 die Basilika Vierzehnheiligen im fränkischen Bad Staffelstein.

Von Steffen Zimmermann