Die indische Flagge weht an einem Fahnenmast vor blauem Himmel.
Radikale Hindus sorgen für Tumulte in Gebetshaus

Indischer Priester wird attackiert – und dann verhaftet und angezeigt

Beim Gebet wurde ein indischer Priester von einer Gruppe Hindu-Nationalisten angegriffen. Doch die Polizei will aus dem Opfer einen Täter machen: Er habe durch sein Wirken die Tumulte überhaupt erst provoziert.

Varanasi - 20.11.2018

In Indien ist vergangene Woche ein katholischer Priester von radikalen Hindu-Nationalisten attackiert und anschließend von der Polizei verhaftet und angezeigt worden. Das berichtete das Onlinemagazin Crux (Dienstag). Der Übergriff auf Vineet Vincent Pereira ereignete sich während einer Andacht in einem Gebetshaus in Varanasi (Bundesstaat Uttar Pradesh), das der Geistliche leitet.

Laut Aussage Pereiras seien zwei Männer in das Gebetshaus eingedrungen, "um Spannungen zu verursachen". Schnell seien weitere hinzugekommen, um die Angreifer zu unterstützen. "Sie haben angefangen, einen der Gäste zusammenzuschlagen. Als ich ihn retten wollte, schlugen sie mich und zerrten an meinen Haaren." Der Vorfall habe rund zehn Minuten gedauert. Die Polizei nahm Pereira daraufhin zu seinem eigenen Schutz für eine Nacht in Gewahrsam. Nachdem der Geistliche am nächsten Tag freigelassen worden war, wurde er wegen Anzettelns von Ausschreitungen und dem Abhalten einer rechtswidrigen Versammlung angezeigt.

Vorwurf: Mission unter Hindus

Radikale Hindu-Nationalisten werfen Pereira vor, durch das Gebetshaus die lokale Bevölkerung zu missionieren. In der Vergangenheit habe es immer wieder Drohungen gegeben, erklärte der Priester. In Pereiras Gebetshaus finden täglich Gebetsandachten für alle Glaubensrichtungen statt. Der Geistliche lebt dort mit mehreren Mitbrüdern und Laien zusammen. Auf Bitten seiner Vorgesetzten bleibt er dem Gebetshaus im Moment fern.

Verschiedene Stellen bekundeten bereits ihre Solidarität mit Pereira. Anand Mathew von der Indischen Missionsgesellschaft bezeichnete ihn etwa als "heiligmäßigen Priester, der sich um die Kranken kümmert". Zu seinen Gebetsandachten würden jedes Mal viele Menschen strömen. Pereira selber kann den Vorfällen etwas Positives abgewinnen: "Es war der Plan des Herrn. Es ist zu seiner Herrlichkeit geschehen." Er bete für die Angreifer und hege keinen Groll gegen sie. "Mein ernsthafter Wunsch ist, dass sie die Liebe Christi kennenlernen." Würden sie ihn und seine Arbeit kennen, hätten sie es nicht getan.

Uttar Pradesh ist der bevölkerungsreichte Bundesstaat Indiens, hat aber mit 0,2 Prozent den geringsten Christenanteil. Seit 2017 regiert dort die "Bharatiya Janata Party" (BJP), die mit der "Rashtriya Swayamsevak Sangh", einer hindu-nationalistischen Organisation, in Verbindung steht. Christliche Anführer im Bundesstaat monieren, dass seit der Machtübernahme der BJP die Gewalt gegen die christliche Minderheit angestiegen sei. (mal)