Eine Kirchentür.
Bild: © KNA
Abschiebung von Flüchtlingen soll verhindert werden

Seit 28 Tagen Gottesdienst in niederländischer Kirche

Oft ist Kirchenasyl für Flüchtlinge die letzte Möglichkeit, eine Abschiebung zu verzögern. In den Niederlanden hat eine Gemeinde in Den Haag nun einen ungewöhnlichen Weg gefunden, einer Familie in ihrer Kirche Unterschlupf zu gewähren.

Den Haag - 22.11.2018

Solch ein langer Gottesdienst wurde in dieser Kirche wohl noch nie gefeiert: In der evangelischen Bethel-Kirche in Den Haag finden seit 28 Tagen rund um die Uhr Andachten statt. Der Hintergrund für den Dauer-Gottesdienst ist laut Medienberichten das Kirchenasyl einer armenischen Flüchtlingsfamilie. Die fünfköpfige Familie Tamrazyan befindet sich seit einem Monat in dem Gotteshaus und soll nach Armenien abgeschoben werden.

Familienvater Sasun hatte sich in seinem Heimatland in der politischen Opposition engagiert und von Regierungsanhängern Todesdrohungen erhalten. Deshalb will die Kirchengemeinde eine Abschiebung in die Kaukasusrepublik verhindern. Ein niederländisches Gesetz verbietet es der Polizei jedoch, während eines Gottesdienstes oder Gebets in die Kirche einzudringen, weshalb die Gemeinde die 24-Stunden-Gottesdienste eingerichtet hatte. Mehr als 300 Geistliche aus allen Teilen der Niederlande boten ihre Hilfe an, um die Gebete am Laufen zu halten.

Auch in Deutschland besteht die Praxis des Kirchenasyls. Sie befindet sich jedoch in einer rechtlichen Grauzone und wird regelmäßig kritisiert, etwa im Januar 2015 vom damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im ersten Quartal 2018 waren nach Angaben der Bundesregierung 498 Fälle von Kirchenasyl bekannt, die eine Abschiebung verzögert oder sogar verhindert hatten. (rom)

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