Die Kirche hat 19 neue Selige
Kurienkardinal Becciu leitete Beatifikationsfeier in Algerien

Die Kirche hat 19 neue Selige

Eine katholische Zeremonie in einem mehrheitlich muslimischen Land: Kurienkardinal Giovanni Becciu leitete in Algerien die Seligsprechungsfeier für einen Bischof und 18 Ordensleute. Papst Franziskus würdigte die neuen Seligen.

Vatikanstadt/Algier - 08.12.2018

Der Papst hat anlässlich der Seligsprechung der Mönche von Tibhirine zum Einsatz für Brüderlichkeit und Solidarität aufgerufen. Bischof Pierre Claverie und weitere 18 Ordensmänner und -frauen, die am Samstag in Algerien als Märtyrer seliggesprochen wurden, seien "demütige Erbauer des Friedens und heldenhafte Zeugen der christlichen Nächstenliebe" gewesen, sagte Franziskus auf dem Petersplatz. Das mutige Glaubenszeugnis der neuen Seligen sei "Quelle der Hoffnung für die Katholiken in Algerien und Samen des Dialogs für die gesamte Gesellschaft", so das Kirchenoberhaupt nach dem Mittagsgebet.

Die Seligsprechung in Algerien wurde von Kurienkardinal Giovanni Angelo Becciu geleitet. In seiner Predigt sagte er nach Vatikanangaben, der tragische Tod Claveries und der anderen 18 Märtyrer erinnere die Christen an ihren Auftrag: "Jeden Tag den Frieden des Evangeliums säen, um die Früchte der Gerechtigkeit zu ernten."

In einer von Becciu verlesenen Botschaft dankte der Papst Algeriens Präsident Abd al-Aziz Bouteflika für die Hilfe bei den Vorbereitungen für die Seligsprechungszeremonie. Mit dem vom Vatikan veröffentlichten Schreiben gedachte Franziskus auch aller Opfer des algerischen Bürgerkriegs. Die Kirche wolle sich weiter für Dialog, Eintracht und Freundschaft einsetzen. Franziskus erinnerte auch an den heiligen Augustinus (354-430). Der Kirchenlehrer wirkte als Bischof in Hippo (heute Annaba).

"Von Menschen und Göttern"

Im Januar hatte Papst Franziskus das Martyrium von insgesamt 19 Ordensleuten anerkannt, die zwischen 1994 und 1996 in Algerien ermordet worden waren. Darunter sind die Trappisten von Tibhirine, der in die Luft gesprengte Dominikaner und Bischof von Oran, Pierre Claverie (1938-1996), sowie weitere Ordensmänner und -frauen, die für ihren Glauben starben.

Die sieben französischen Trappisten des Klosters Notre-Dame de l'Atlas im Norden Algeriens wurden im März 1996 während des Bürgerkriegs entführt. Zu der Tat bekannte sich eine terroristische Splittergruppe, die die Freilassung eines ihrer Anführer verlangte. Gut zwei Monate später, Ende Mai, wurden die abgetrennten Köpfe der Mönche gefunden; die Körper blieben bis heute verschwunden.

Bis heute ist unklar, ob die sieben Trappisten tatsächlich von ihren Entführern oder aber vom algerischen Militär und Geheimdienst getötet wurden. Der französische Regisseur Xavier Beauvois griff die Ereignisse in seinem vielfach preisgekrönten Film "Von Menschen und Göttern" (2010) auf - und machte ihr Schicksal damit einem breiteren Publikum bekannt. (KNA)