Papstbruder über die Zukunft des Chores, seinen Alltag und Benedikt XVI.

Ratzinger kann sich keine Frau als Domspatzen-Chefin vorstellen

Aktualisiert am 14.01.2019  –  Lesedauer: 
Georg Ratzinger ist der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI.
Bild: © KNA

Regensburg ‐ "Vor so viel Buben und jungen Männern ist's doch besser, wenn ein Mann dem Chor vorsteht", sagt Georg Ratzinger. Außerdem berichtet der bald 95-Jährige von seinem Alltag und dem Gesundheitszustand seines Bruders.

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Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, kann sich eine Frau als Chefin des weltberühmten Chores nicht so recht vorstellen. "Meine ganz persönliche, vielleicht altmodische Meinung ist die, vor so viel Buben und jungen Männern ist's doch besser, wenn ein Mann dem Chor vorsteht", sagte der frühere Regensburger Domkapellmeister der Bischöflichen Pressestelle in Regensburg (Montag). Umgekehrt sei es vielleicht nicht so. Denn vor einem Mädchenchor habe sich ein männlicher Chorleiter vielfach bewährt. - Ratzinger, der von 1964 bis 1994 die Domspatzen leitete, wird am Dienstag 95 Jahre alt.

Bei den Domspatzen steht zum September 2019 ein Führungswechsel an. Der bisherige Domkapellmeister Roland Büchner (64) geht in den Ruhestand. Die vom Bistum Regensburg bereits im November vergangenen Jahres veröffentlichte Stellenanzeige richtet sich explizit auch an Frauen. Eine Entscheidung soll im Frühjahr 2019 fallen. Der Unterfranke Büchner leitet seit 1994 die Domspatzen.

Neuer Leiter muss "gläubiger Katholik" sein

In die Zeit von Büchner fielen viele Auslandsreisen, unter anderem nach Südafrika und zuletzt ins Heilige Land. Außerdem sang der kirchliche Knabenchor 2006 beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bayern sowie 2009 in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Ebenfalls in die Amtszeit Büchners fiel die Aufklärung und Aufarbeitung der Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bei den Domspatzen mit insgesamt mehr als 500 Betroffenen.

Gefragt, was ein neuer Leiter für sein Amt mitbringen sollte, meinte Ratzinger in dem Interview, zuerst einmal müsse er ein "gläubiger Katholik" sein. Für ihn sollte der Glaube die Grundlage seines Lebens sein und auch zur Liturgie sollte er ein besonders Verhältnis haben. Weiter brauche der Nachfolger "natürlich pädagogisches und musikalisches Vermögen". Er müsse mit den Kindern in den verschiedenen Altersstufen umgehen können, das etwa von neun bis 20 Jahre reiche. Dazu brauche es eine musikalische Ausbildung, die auch das Orgelspiel einschließe und die Interpretationsfähigkeit von Partituren, die schon vor Jahrhunderten entstanden seien.

Joseph und Georg Ratzinger
Bild: ©picture alliance/abaca (Archivbild)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. feiert seinen Geburtstag mit seinem Bruder Georg Ratzinger.

Für seinen 95. Geburtstag am Dienstag hat Ratzinger nur den Wunsch nach "möglichst viel Ruhe". Das sei einfach ein Tag zum Nachdenken, zum Überlegen, sagte der langjährige Regensburger Domkapellmeister. Materielles interessiere ihn nicht. "Ich habe zu essen, zu trinken, etwas zum Anziehen." Was er brauche, seien Vorleser, die er Gott sei Dank regelmäßig habe, so der fast blinde Ratzinger. Aber ansonsten gebe es keine Wünsche, so der Bruder von Joseph Ratzinger (91), dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013).

Der Alltag des langjährigen Leiters der Regensburger Domspatzen, der 1951 in Freising mit seinem Bruder Joseph zum Priester geweiht wurde, läuft in seinem Regensburger Haus nach einem regelmäßigen Rhythmus. So feiere er in der Früh in seiner kleinen Hauskapelle die Heilige Messe mit der ihn betreuenden Schwester Laurente. Danach kämen Freunde zum Vorlesen, zum Zeitunglesen. Bis zum Mittagessen höre er dann Radio, danach folge die Siesta.

Jeden Abend ein Telefonat mit Joseph

Großen Wert lege Schwester Laurente darauf, dass nachmittags ein Spaziergang gemacht werde - "damit man frische Luft hat, die unheimlich gesund ist, wie die Schwester mir immer wieder erläutert", erzählte Ratzinger. Gegen vier Uhr komme dann wieder ein Vorleser, um sechs Uhr werde zu Abend gegessen. Danach bete er mit der Ordensfrau noch die Komplet und die Vesper. Eine Pflegekraft der Caritas bringe ihn schließlich zu Bett.

Abends führt Ratzinger nach eigenen Worten immer noch ein Telefonat mit seinem Bruder Joseph in Rom: "Es geht ihm ungefähr so wie mir. Natürlich erfährt er einige Einschränkungen, aber ist im Ganzen gesund, vor allem geistig präsent und vital." (tmg/KNA)