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Ein Plädoyer für den Zölibat

Die Kirche kann ohne den Zölibat nicht bestehen, meint Roland Müller. Schließlich sei die Ehelosigkeit untrennbar mit Jesus Christus verbunden. Dennoch solle über den Zölibat diskutiert werden – allerdings mit einer anderen Zielrichtung.

Von Roland Müller |  Bonn - 18.01.2019

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Der Missbrauchsskandal rüttelt an den Grundfesten der Kirche. Zu diesen gehört auch der Zölibat, die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, die Gott geweihte Personen versprechen. Besonders der Pflichtzölibat für Priester steht derzeit in der Kritik, denn ihm wird vorgeworfen, für sexuelle Vergehen von Klerikern verantwortlich zu sein. Erst gestern hat Pater Hans Langendörfer, der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, eine breite Debatte über den Zölibat gefordert. Auch mehrere Diözesanbischöfe wie Reinhard Marx oder Peter Kohlgraf haben signalisiert, dass sie sich verheiratete Priester vorstellen können.

Doch ich bin anderer Meinung. Ich finde, diese Kritik vergisst, dass die Kirche ohne den Zölibat nicht bestehen kann. Denn die Ehelosigkeit ist untrennbar mit Jesus Christus verbunden: Jesus lebte in Hingabe für seinen himmlischen Vater und die Verkündigung des Reiches Gottes. Dabei war er so konsequent, dass er am Ende sogar dafür getötet wurde. Bewusst hatte er sich für ein Leben ohne Ehe und Familie entschieden, um so leben zu können. Schon immer hat es Frauen und Männer gegeben, die auf Partnerschaft und Familie verzichtet haben, um Jesus radikal nachzufolgen. Das Versprechen zum Zölibat, das Nonnen und Mönche, Ordensschwestern und -brüder ablegen, gibt ihnen die Freiheit zu einem Leben aus dem Glauben. Sie müssen sich nicht um die Bedürfnisse eines Partners kümmern oder an die Zukunft der eigenen Kinder denken.

Auch wenn sich die Diskussion über den Zölibat meist nicht auf das Ordensleben, sondern den Pflichtzölibat für Diözesanpriester bezieht, sollte die Kirche nicht vergessen, welch hohe Wertschätzung die Ehelosigkeit seit jeher besitzt. Sie ist die angemessene Lebensform für das Priestertum. Das hat seinen Grund: Die Kirche glaubt, dass ein Priester bei der Spendung der Sakramente Jesus Christus repräsentiert.

Eine Diskussion über den Zölibat muss stattfinden. Doch sie darf nicht das Ziel haben, den Pflichtzölibat abzuschaffen – auch wenn es dazu etwa wegen des Priestermangels scheinbar noch so gute Gründe gibt. Vielmehr ist es nötig, ein Forum zum besseren und vertieften Verständnis von Ordensleben und Weihesakrament zu schaffen. Und allen Ordensleuten und Klerikern zu danken, die trotz großer Anfeindungen den Zölibat leben.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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