Marx: Wir brauchen einen weltoffenen Patriotismus
Kardinal über Rolle des christlichen Menschenbildes in der Politik

Marx: Wir brauchen einen weltoffenen Patriotismus

Die parlamentarische Demokratie sei in Deutschland nicht unumstritten, mahnt Kardinal Reinhard Marx. Umso mehr gelte es, sich für eine freiheitliche Gesellschaft zu engagieren – wobei das christliche Menschenbild eine bestimmte Rolle spiele.

Dresden - 25.01.2019

Kardinal Reinhard Marx hat zu verstärktem Engagement für eine freiheitliche Gesellschaft aufgerufen. "Wir spüren, die parlamentarische Demokratie ist nicht unumstritten - und dabei hatten wir gedacht, diese Diskussion wäre längst abgeschlossen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstagabend in Dresden. Die Herausforderung, die sich 2019 seines Erachtens stellt, ist, "dieses kostbare Geschenk der Freiheit zu bewahren". Marx betonte: "Wir brauchen einen weltoffenen Patriotismus, der nicht nur auf unser Land schaut, sondern auch auf Europa und die Welt." Auch nach 30 Jahren sei er dankbar für "die Einheit in Freiheit, die unserem Land geschenkt wurde".

Zur freiheitlichen Demokratie des hiesigen Gemeinwesens gehöre auch das christliche Menschenbild, sagte der Münchner Erzbischof. "Aber das christliche Menschenbild soll nicht irgendeine Prozessionsfahne sein", so Marx. "Es muss vermittelbar und verständlich sein, auch für Menschen, die nicht christlich sind." Marx äußerte sich beim Politiker-Empfang des Bistums Dresden-Meißen vor rund 400 Gästen.

Tradition kritisch reflektieren

Zum christlichen Menschenbild gehöre zudem, "dass nicht alles schon fertig ist - sondern, dass es immer eine Dynamik nach vorne gibt". Zum Auftrag der Kirche gehöre auch, "die Zeichen der Zeit zu lesen - im Lichte des Evangeliums und vom Gedanken der Freiheit her, der uns als Christen eingestiftet ist". Man müsse sich nicht den Moden unterwerfen, aber auch Tradition kritisch reflektieren: "Traditionen, die nur Einzelne einbeziehen, können keinen Bestand haben."

Dresdens Bischof Heinrich Timmerevers mahnte, dass die Freiheit den Menschen "zum verantwortungsvollen Gebrauch in die Hände gelegt" worden sei. "Möge uns der Wert dieses Geschenks der Freiheit bewusst bleiben." Die Gesellschaft sei aufgerufen, damit ein friedliches Europa zu gestalten. (KNA)