Nebel in Eichstätt
Neues Personal, neue Zuständigkeiten – und offene Fragen

Ein Jahr Finanzskandal im Bistum Eichstätt

Auch ein Jahr nach Bekanntwerden des Finanzskandals im Bistum Eichstätt werden noch 47 Millionen Euro vermisst. Während Staatsanwälte weiter ermitteln, hat Bischof Gregor Maria Hanke die Diözesanverwaltung umgekrempelt.

Von Christoph Renzikowski (KNA) |  Eichstätt - 05.02.2019

Im Finanzskandal der katholischen Diözese Eichstätt, der von ihr selbst am 5. Februar 2018 bekannt gemacht wurde, sind auch nach einem Jahr noch viele Fragen ungeklärt. Die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft München II führt inzwischen vier Beschuldigte, zwei saßen über drei Monate in Untersuchungshaft. Aber ein Ende der zähen Ermittlungen ist immer noch nicht absehbar. Das Bistum selbst will genau am Jahrestag einen Prüfbericht der eigenen Anwälte vorstellen. Es geht dabei auch um Verantwortlichkeiten unterhalb der Strafbarkeitsschwelle.

Bistumsrücklagen in Höhe von fast 60 Millionen Dollar flossen zwischen 2014 und 2016 in hochriskante Darlehen für Immobilienprojekte in den USA. Wer für diese Politik verantwortlich war und dafür möglicherweise vor Gericht geradestehen muss, ist weiter offen. Zugleich rechnet das Bistum nicht ernsthaft damit, dass noch ein nennenswerter Teil der Kredite zurückgezahlt wird - über die schon seit längerem eingegangenen sechs Millionen Dollar hinaus. Bis zu 47 Millionen Euro wären dann verloren.

Bischof räumt eigene Fehler ein

Bischof Gregor Maria Hanke agiert schon seit Monaten überwiegend im Krisenmodus. Er entschied sich im Juli 2017 zur Anzeige gegen einen früheren leitenden Mitarbeiter seiner Finanzkammer und einen Geschäftspartner. Ein halbes Jahr später machte er zudem den für ihn selbst höchst unangenehmen Vorgang publik.

Seither wird in der Öffentlichkeit aber auch verhandelt, inwiefern der Benediktiner Mitverantwortung für die Affäre hat. Hanke selbst hat frühzeitig in mehreren Interviews eigene Fehler eingeräumt. So habe er sich 2009 für den Falschen als Finanzdirektor entschieden und nicht früh und hart genug durchgegriffen. Jener Geistliche hat alle umstrittenen Kreditverträge unterzeichnet. Von Ermittlungen gegen den pensionierten Priester ist bis zur Stunde nichts bekannt. Schon vor dem eigentlichen Skandal hat er mit spekulativen Investments, etwa Schiffsbeteiligungen, Millionen in den Sand gesetzt.

Bild: © katholisch.de

Bischof Gregor Maria Hanke agiert seit Monaten überwiegend im Krisenmodus.

In letzter Konsequenz, wenn alle Verantwortlichkeiten geklärt sind, kann sich Hanke weiterhin den eigenen Rücktritt vorstellen. Doch bis auf weiteres hält sich der 64-Jährige zugute, dass erst durch seine gegen hausinterne Widerstände durchgesetzte Initiative die Buchhaltung im Bistum auf die Standards des Handelsgesetzbuches umgestellt wurde - und von ihm eingeschaltete Wirtschaftsprüfer die ganze Misere ans Licht brachten.

Auch ist beim Bischof ein gewisser Ehrgeiz zu spüren, die begonnenen Dinge zu Ende zu bringen. Die Anzeige einer Gruppe von Katholiken aus seinem Bistum in Rom wird ihn nicht aufhalten. Der Vatikan hat bereits signalisiert, dass er - vor möglichen eigenen Untersuchungen - das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen abwarten will.

Im Bistum ist viel Vertrauen verloren gegangen

Vieles ist 2018 im Bistum passiert. Hanke hat sein Domkapitel praktisch entmachtet und aus der Exekutive herausgedrängt. Es muss sich nun mit der Rolle eines Beraterstabs begnügen. Geistliche ohne Leitungsfunktion gehören der Ordinariatskonferenz nicht mehr an. Als neuen Finanzdirektor hat der Bischof einen jungen Betriebswirt ohne Vergangenheit im kirchlichen Dienst verpflichtet. Die Finanzkammer trifft keine eigenen Anlageentscheidungen mehr, das machen jetzt externe professionelle Vermögensverwalter.

Dennoch ist im Bistum durch den Skandal viel Vertrauen verloren gegangen. Das hat auch Hankes designierter neuer Generalvikar Michael Huber mitbekommen. An der Basis habe er manches gehört, was "nicht zitierfähig" sei, sagte der Ordensmann und Betriebswirt unlängst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf Regionalkonferenzen bemühte sich der Bischof wochenlang, die Wogen zu glätten. Dabei bekam er noch anderen aufgestauten Unmut zu hören, etwa darüber, wie sich Kirchenpfleger vom Ordinariat behandelt fühlen. Auch auf diese Kritik will Hanke reagieren: mit einer Ombudsstelle, die Beschwerden über die Bistumsverwaltung entgegennehmen soll.

Er stehe "für Aufklärung durch die Justiz. Ich will für Transparenz stehen", sagte Hanke am Samstag beim Neujahrsempfangs des Diözesanrats der Eichstätter Katholiken. Die Laienvertreter sind in der Krise sichtbar an die Seite des Bischofs gerückt, worüber sich Hanke gefreut hat. Eine solche Unterstützung hat er zum Teil im Ordinariat vermisst.

Von Christoph Renzikowski (KNA)