Erstmals Trauergottesdienst für Tiere gefeiert
Ansprache von Tierärztin ersetzt Predigt

Erstmals Trauergottesdienst für Tiere gefeiert

Hasso und Miezi sind nicht nur Wachhund und Mäusefänger, sondern für viele vollwertige Familienmitglieder. Und deren Tod schmerzt. Deshalb gab es in Zürich jetzt erstmals einen Trauergottesdienst für Tiere. Der soll kein Einzelfall bleiben.

Zürich - 05.02.2019

In Zürich gab es am Sonntag zum ersten Mal einen Trauergottesdienst für Tiere. Während der Feier in der St.-Jakobs-Kirche konnten Besucher für ihre verstorbenen Haustiere Kerzen anzünden und Gedanken in ein Kondolenzbuch schreiben, berichtet das Portal "kath.ch". Darin waren nach der Andacht Sätze zu finden wie "In tiefer Liebe und Dankbarkeit" und "Ich werde euch immer lieb haben". Pfarrer Michael Schaar sagte, das Thema Trauer um Tiere sei in der Gesellschaft noch nicht angekommen. "Gerade für Menschen, die kein enges Verhältnis zu Tieren haben, ist die Trauer um ein Tier nur schwer nachvollziehbar." Davon solle man sich aber nicht verunsichern lassen. Schaar ist auch Vorstandsmitglied des Vereins "Akut" ("Aktion Kirche und Tiere").

Zu der Andacht kamen etwa dreißig Besucher, die aus der Schweiz, Österreich und Deutschland anreisten. Statt einer Predigt gab es eine Ansprache der Frankfurter Tierärztin Marion Schmitt, die sich in ihrer Dissertation mit der Trauer um Haustiere auseinandersetzt. Ihre Forschung habe ergeben, dass es prinzipiell keinen Unterschied zwischen der Trauer um Tiere und der um Menschen gebe, sagte sie. Tiere seien Familienmitglieder und erfüllten oft Aufgaben, wie sie auch Menschen in einer Beziehung übernehmen würden. "Oft verbringen wir Jahrzehnte mit unseren Haustieren – und dann verbindet uns viel mehr mit ihnen, als uns zunächst bewusst ist. Wenn das Tier dann stirbt, ist das einschneidend." In diesem Zusammenhang erkläre sich, wie schwer etwa die Entscheidung sei, ein Tier einzuschläfern.

Pfarrer Schaar bietet seit seinem Amtsantritt 2016 einmal die Woche offene Sprechstunden für seelsorgliche Gespräche an. In diesen Gesprächen sei die Trauer um Haustiere oft ein Thema gewesen, so Schaar, "und zwar vielfach bei Menschen, die nicht Mitglieder der Kirche sind." Ebenfalls präsent sei der Wunsch nach Trauerritualen für Tiere: "Wir wollen das theologisch reflektiert und begründet entwickeln. Aber das braucht sicher noch etwas Zeit", sagt Pfarrer Schaar. Die Gedenkfeier für verstorbene Tiere soll seiner Ansicht nach kein Einzelfall bleiben. Vielmehr sollen solche Veranstaltungen ihren festen Platz im Jahreskalender erhalten. Zusätzlich sei auch eine Trauergruppe für Tierhalter geplant. (cph)