Nicht mehr Katholikenzahl alleine entscheidend

Bistum Eichstätt regelt Finanzierung seiner Pfarreien neu

Aktualisiert am 13.02.2019  –  Lesedauer: 

Eichstätt ‐ Im Bistum Eichstätt richtete sich die Verteilung der Zuschüsse an Pfarreien bislang ausschließlich nach deren Katholikenzahl. Dieses Modell wird nun abgelöst: Drei weitere Faktoren sollen bei der Finanzierung künftig eine Rolle spielen.

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Das Bistum Eichstätt hat ein neues Modell der Pfarreienfinanzierung beschlossen. Sie bezieht nun vier unterschiedlich gewichtete Faktoren mit ein, wie die Diözese am Mittwoch mitteilte. Es geht demnach um die Anzahl der Katholiken, den Land- oder Stadtcharakter einer Pfarrei, die Anzahl der Amtshandlungen von Priestern sowie die Anzahl der pastoral genutzten Gebäude. Bisher habe sich die Verteilung der Zuschüsse nur nach der Katholikenzahl gerichtet. Die Neuregelung gelte seit Jahresbeginn und mache die finanzielle Unterstützung der Pfarreien bedarfsorientierter und gerechter.

Die Anzahl der Katholiken werde nunmehr nur noch zu 60 Prozent bei der Ermittlung des Zuschusses an die Pfarreien berücksichtigt. Zu 25 Prozent komme zum Tragen, ob eine Pfarrei eher ländlich oder städtisch geprägt sei; in Ballungsräumen sei ein größerer Aufwand nötig. Ein weiterer Faktor sei die Anzahl der Kasualien, also der kirchlichen Amtshandlungen eines Priesters. Sie würden mit zehn Prozent angesetzt. Mit fünf Prozent beziehe man die Anzahl der pastoral genutzten Gebäude ein.

7,4 Millionen Euro zur Pfarreienfinanzierung

Das neue System hat laut Mitteilung eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern des Generalvikariats, der Hauptabteilung Pastoral, der Finanzkammer, Geistlichen und Kirchenpflegern erarbeitet. Insgesamt stünden in diesem Jahr 7,4 Millionen Euro aus dem diözesanen Haushalt zur Pfarreienfinanzierung zur Verfügung. Zuschussempfänger sei jeweils die leitende Kirchenstiftung in den 74 Pastoralräumen.

Zusätzlich reserviere das Bistum rund 1,5 Millionen Euro etwa für den Gottesdienstbedarf oder Erschließungskosten für die Gemeinden. Für Bauzuschüsse seien rund 12 Millionen Euro für die Pfarreien im Haushalt vorgesehen. Außerdem stelle das Bistum einen sogenannten "Innovationstopf" mit 250.000 Euro bereit, aus dem Pfarreien Gelder für wegweisende Projekte in der Pastoral beantragen könnten. Bereits 2018 hatte die Diözese nach eigenen Angaben die Haushaltsmittel für die Pfarreien um 84 Prozent erhöht; 2019 wurden sie demnach nochmals um 2,5 Prozent aufgestockt.

Ferner unterstütze die Diözese die Pfarreien durch verschiedene Dienstleistungen wie IT-Services, die sie nicht in Gänze berechne. Zudem wolle man jedem der acht Dekanate im Laufe des Jahres einen Verwaltungskoordinator zur Seite stellen.

Das Bistum Eichstätt hatte erst in der vergangenen Woche für mediales Aufsehen gesorgt, als es einen Bericht externer Anwälte zu dem vor einem Jahr selbst publik gemachten Finanzskandal veröffentlichte. Darin ist die Rede von verschwundenen Akten, groben Pflichtverletzungen und mangelnden Kontrollen. Eine "klerikale Machtclique" habe die Leitung des Bischofs untergraben und sei damit neben den bisher von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigten geführten Personen hauptverantwortlich für jahrzehntelange Misswirtschaft. (tmg/KNA)