Kardinal Reinhard Marx.
Bild: © KNA
Die Rede von Zensur ist für den Münchener Erzbischof unangebracht

Marx kontert Pfeiffer

Missbrauchsstudie - Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat den Zensurvorwurf des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer im Zusammenhang mit der geplatzten Studie über Missbrauch durch Priester zurückgewiesen. Das Kernproblem bestehe in einer Abwägung, sagte Marx am Freitag dem Bayerischen Rundfunk am Rande der Vereidigung des künftigen Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer in München.

Bonn - 11.01.2013

Es gehe darum, die berechtigten Interessen der Opfer, der Wissenschaft und der Öffentlichkeit "ins Verhältnis zu setzen zu den Fürsorgepflichten, die ein Bischof gegenüber seinen Priestern und Mitarbeitern hat, auch den Verstorbenen", so Marx und weiter: "Heute von Zensur zu reden, ist völlig unangebracht."

Am Mittwoch hatten die deutschen Bischöfe Pfeiffer nach einem Zerwürfnis einen entsprechenden Forschungsauftrag entzogen . Der Kriminologe machte in mehreren Interviews "Zensur- und Kontrollwünsche" vor allem aus dem Erzbistum München-Freising für das Scheitern der Zusammenarbeit verantwortlich.

Pfeiffer unterschreibt Unterlassungserklärung nicht

Die Bischöfe wehren sich gegen diese Behauptung und leiteten rechtliche Schritte gegen Pfeiffer ein, nach denen dem Wissenschaftler verboten werden soll, weiterhin den Vorwurf der Zensur zu erheben. Pfeiffer wiederholte jedoch am Freitag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur seine Anschuldigungen. Er werde die Unterlassungserklärung, die ihm die Bischofskonferenz zugestellt hatte, nicht unterschreiben.

Zugleich schlug der Wissenschaftler auch versöhnlichere Töne an. Er habe insbesondere den Missbrauchsbeauftragten, Bischof Stephan Ackermann, und den Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, als faire und ehrlich um Aufklärung bemühte Kirchenvertreter kennengelernt. Pfeiffer bedauere, dass er und die Bischofskonferenz sich zuletzt "so destruktiv beharkt" hätten.

Mertes stellt Opfer ins Zentrum der Aufklärung

Derweil mahnt der Jesuit Klaus Mertes, stets die Interessen der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. "Mich stört, dass das Thema zurzeit 'Herr Pfeiffer', 'Bischofskonferenz' oder 'Ansehen der Kirche' lautet", sagte Mertes der in Freiburg erscheinenden "Badischen Zeitung". Es müsse aber um die Frage nach den Opfern und den möglichen Schritten in der Begegnung zwischen ihnen und der Kirche gehen. Mertes hatte im Jahr 2010 Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg öffentlich gemacht und damit die katholische Kirche in eine Krise gestürzt.

Player wird geladen ...

Die Studie zum Missbrauchsskandal werde in jedem Fall mit neuem Partner weitergeführt, so die Bischofskonferenz zur Kündigung des Vertrags mit dem Kriminologen Pfeiffer.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wies wiederum die Vorwürfe Pfeiffers zurück. Die katholische Kirche vertusche keine Fälle von sexuellem Missbrauch, sagte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper im Deutschlandradio. Zur "schonungslosen Offenheit" gebe es keine Alternative. "Die Kirche hat reagiert und wird weiter ganz eindeutig und schonungslos aufdecken und alles tun, damit so etwas nicht wieder vorkommen kann", so Vesper.

Im Interview mit dem Kölner domradio bedauerte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, das Scheitern der Zusammenarbeit mit Pfeiffer. "Ich fordere die katholische Kirche ausdrücklich auf, das Forschungsprojekt fortzusetzen und möglichst schnell eine gute Lösung zu präsentieren, wie sie das möchte", so Rörig. (meu/gho/KNA)