Kardinal Marx: Ausblenden von Konfliktthemen in der Kirche war falsch
Bild: © Markus Nowak
Veränderungswille müsse sichtbar werden

Kardinal Marx: Ausblenden von Konfliktthemen in der Kirche war falsch

Machtmissbrauch, Zölibat, Sexualmoral: Laut Kardinal Marx ist die Kirche den heißen Eisen zu lange ausgewichen. Doch nun müsse man Balast abwerfen und frei werden. Dafür soll auch der angekündigte synodale Weg in der deutschen Kirche sorgen.

München - 17.03.2019

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat eine Ausblendung von Konfliktthemen in innerkirchlichen Diskussionen der zurückliegenden Jahre als Fehler bezeichnet. Bei der Vollversammlung des Münchner Diözesanrats nannte er am Wochenende in Oberschleißheim konkret Sexualmoral, Auswahl des Klerus und Zölibat sowie Ausübung und Missbrauch von Macht.

"Diesen Punkten wollten wir immer ausweichen, auch im Dialogprozess der deutschen Bischöfe, aber es geht nicht", sagte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist. "Wir müssen frei werden, Ballast abwerfen, der uns hindert, in die Zukunft zu gehen."

Deutsche Kirche will bei Lehrentwicklung vorangehen

Für den von den deutschen Bischöfen bei der Vollversammlung in Lingen beschlossenen synodalen Weg sei es "ein wichtiger Schritt, eine Lehrentwicklung der Kirche für möglich zu halten". Dabei werde die deutsche Kirche vorangehen. "Wir müssen jetzt nicht auf Rom warten", sagte er. Es gehe darum, einen gewissen Druck und Veränderungswillen sichtbar zu machen, "sonst ändert sich nie etwas". Auf Ebene der Weltkirche werde die systemische Frage nach den Gründen, die Missbrauch begünstigen, "noch ausgeklammert – weil man da nicht ran will."

Marx sagte, diese Gespräche müssten in Deutschland nun geführt werden, ohne dass er jetzt schon alle Antworten kenne. Es gehe nicht um "Unterwerfung unter den Zeitgeist", sondern darum, herauszufinden, ob eine Änderung "dem Evangelium besser entspricht". Um "in der Spur zu bleiben", seien auch eine geistliche Vertiefung und Gebet nötig.

Den Beschluss eines "verbindlichen synodalen Wegs" hatte Marx bei der Abschlusspressekonferenz der DBK-Vollversammlung am vergangenen Donnerstag verkündet. Diese strukturierte Debatte werde gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisiert. Im Zentrum stünden die Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsfälle beschlossen.Themen seien der "nötige Machtabbau" bei den Klerikern, der Zölibat und die Sexualmoral der Kirche. Um eine Synode im kirchenrechtlichen Sinn handele es sich bei dem geplanten Prozess allerdings nicht, wie Marx erklärte. "Vielleicht ist es eine Synode auf dem Weg", so der DBK-Vorsitzende. (mal/KNA)