Darstellung der heiligen Maria.
Im Mai feiert die Kirche weltweit die Muttergottes

Diese Marienfeste kennen Sie (vielleicht) noch nicht

Im Mai steht die Gottesmutter im Mittelpunkt des kirchlichen Gedenkens. Das sieht man an den vielen Gedenktagen im "Marienmonat". Doch die meisten werden nur regional gefeiert – nicht gesamtkirchlich. Katholisch.de stellt einige dieser Feste vor.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 03.05.2019

Der Mai ist seit Jahrhunderten als "Marienmonat" bekannt. Doch Marienfeste, die die ganze Kirche begeht, gibt es im Mai nur sehr wenige. Viele Gedenktage sind nur auf regionaler oder nationaler Ebene bekannt. Meistens gehen sie auf Marienerscheinungen oder historische Ereignisse zurück.

Unsere Liebe Frau, Königin von Polen (3. Mai)

Im Jahr 1617 hatte der neapolitanische Jesuit Julio Mancinelli eine Offenbarung: Darin soll ihm die Muttergottes gesagt haben, dass sie die Königin von Polen sein wolle. Als die Schweden 1655 in Polen einmarschierten, war Marias neuer Titel bereits im gesamten polnisch-litauischen Herrschaftsgebiet bekannt. Nachdem das Kloster Tschenstochau, zuvor zur Festung ausgebaut, im Winter 1655 eine monatelange Belagerung durch schwedische Truppen überstanden hatte, wurde die berühmte Schwarze Madonna von Tschenstochau mit dem Titel in Verbindung gebracht. Am 1. April 1656 erklärte der polnische König Johann II. Kasimir die Muttergottes zur "Königin der polnischen Krone" und das Heiligtum in Tschenstochau zur ihrer geistigen Hauptstadt. 1923 bestimmte Papst Pius XI. den 3. Mai zum Festtag "Unsere Liebe Frau, Königin von Polen". Dieser fällt mit dem Gedenktag der polnischen Verfassung von 1791 zusammen. Das Marienfest wird in Polen und Litauen gefeiert – und überall dort, wo sich Polen niedergelassen haben.

Bild: © KNA

Der "Schwarzen Madonna von Tschenstochau" und dem Schutz der Muttergottes wird zugeschieben, dass im Jahr 1655 zahlenmäßig weit überlegene Schweden das Festungskloster nicht erobern konnten.

Unsere Liebe Frau von Europa (5. Mai)

Zum Dank für die Rückeroberung Spaniens durch christliche Truppen im Jahre 1492 bauten die Katholiken von Gibraltar eine Moschee in ein Marienheiligtum um. Sie gaben ihm den Namen "Unsere Liebe Frau von Europa". Unter einem Leuchtturm thronte die Muttergottes über zwei Jahrhunderte lang über der Meerenge und dem europäischen Kontinent, bis 1704 die Briten Gibraltar eroberten und das Heiligtum plünderten. Sie zerstörten die hölzerne Statue der Jungfrau mit dem Jesuskind und warfen sie über die Klippe. Ein Fischer fand die Teile im Wasser und brachte sie zu einem Priester, der die Statue zur Aufbewahrung nach Spanien brachte. Das Kirchengebäude wurde für militärische Zwecke genutzt. Erst 1961 überließ die britische Verwaltung es dem Bistum Gibraltar. Zu diesem Zeitpunkt war es verfallen und als Kirche unbrauchbar. Nach der Renovierung wurde das Gotteshaus 1962 wiedereröffnet. Am 7. Oktober 1967 kehrte die Statue in das Heiligtum zurück. 1979 stellte Papst Johannes Paul II. die Diözese Gibraltar unter den Schutz "Unserer Lieben Frau von Europa". 1980 wurde das Patronatsfest noch am 30. Mai gefeiert, dann genehmigte der Vatikan seine Übertragung auf dem 5. Mai, den "Europatag": An diesem Tag wurde 1949 der Europarat gegründet.

Unsere Liebe Frau von China (Vortag des zweiten Sonntags im Mai)

Während des Boxeraufstands (1899–1901), der sich unter anderem gegen die christliche Missionsbemühungen in China richtete, griffen zahlreiche Soldaten das Dorf Donglu in der Provinz Hebei im Norden Chinas an. Das Dorf bestand aus einer kleinen Gemeinschaft von Christen, die von der Ordensgemeinschaft der Vinzentiner gegründet worden war. Als die Gläubigen Maria anflehten, das Dorf vor der Zerstörung zu retten, soll die Jungfrau Maria ganz in Weiß erschienen sein. An ihrer Seite war ein flammender Reiter, vermutlich der Erzengel Michael, der die Boxer-Soldaten vertrieb. Der Pfarrer, Pater Wu, gab nach dieser wundersamen Rettung ein Gemälde von Maria mit einem in goldenen Kaisergewändern gekleideten Christuskind in Auftrag. Um das Bildnis aufzubewahren, errichteten die Gläubigen eine Kirche, wodurch sich Donglu zu einem Wallfahrtsort entwickelte. 1924 beschlossen die chinesischen Bischöfe, dass das Bild als "Unsere Liebe Frau von China" verehrt werden soll, gleichzeitig weihten sie das chinesische Volk der Jungfrau Maria. Papst Pius XI., der das Gemälde von Donglu 1928 gesegnet hatte, erkannte das Marienheiligtum 1932 offiziell an. Sein Nachfolger, Pius XII., nahm den Festtag "Unsere Lieben Frau von China" in den liturgischen Kalender auf. 1973 verlegte die chinesische Bischofskonferenz mit Zustimmung des Heiligen Stuhls das Fest auf den Vortag des zweiten Sonntags im Mai, des Muttertags.

Maria, Hilfe der Christen (24. Mai)

Die Gottesmutter Maria wird in der Kirche unter vielen Titeln verehrt, darunter auch als "Hilfe der Christen" (lateinisch: Auxilium Christianorum). Die Verehrung geht auf die Zeit der Kreuzzüge zurück, als "Maria Hilf!" unter anderem neben "Deus vult!" einer der Schlachtrufe der Kreuzritter war. Nachdem im 16. Jahrhundert  das christliche Europa das aufstrebende Osmanische Reich in den sogenannten Türkenkriegen zurückgedrängt hatte, fügte Papst Pius V. (1566–1572) die Anrufung "Hilfe der Christen" in die Lauretanische Litanei ein. Einen enormen Aufschwung erlebte die Verehrung der Gottesmutter als "Auxilium Christianorum" nach dem Ende der Belagerung Wiens durch die Osmanen am 12. September 1683, dem Fest Mariä Namen. Zur Verbreitung der Mariahilf-Verehrung trugen die zahlreich gegründeten Mariahilf-Bruderschaften bei. 1814 führte Papst Pius VII. für den 24. Mai schließlich das Fest Maria, Hilfe der Christen ein – als Dank dafür, dass er nach der Abdankung Napoleons wieder nach Rom zurückkehren konnte. Es wird auch Schutzmantelfest genannt. Bei den Salesianern Don Boscos ist der Tag ein Hochfest.

Schutzmantelmadonna
Bild: © katholisch.de

Eine Statue der Gottesmutter Maria mit Schutzmantel, unter dem sich Gläubige verbergen.

Mariä Heimsuchung (31. Mai)

Im deutschen Sprachraum wird das Fest am 2. Juli gefeiert, der Rest der Welt begeht es am 31. Mai: Mariä Heimsuchung bezeichnet die Begegnung der schwangeren Maria mit ihrer ebenfalls schwangeren Verwandten Elisabeth, die Lukas in seinem Evangelium (Lk 1,39–56) schildert. In der frühen Kirche wurde dieses Fest im Advent gefeiert. Ursprünglich stammte es aus dem Orient, 1263 führte es Bonaventura im Franziskanerorden am 2. Juli ein, dem Tag nach der Oktav des Geburtstages Johannes' des Täufers. 1570 wurde das Fest von Papst Pius V. ins Missale Romanum eingefügt und damit auf die ganze katholische Kirche ausgedehnt. Nach dem römischen Kalender wird das Fest seit 1969 am 31. Mai gefeiert, also vor dem Geburtstag Johannes' des Täufers. Diese Terminänderung erschien im Sinne des Festes sinnvoll. Im deutschen Sprachraum ist mit Rücksicht auf die Volksfrömmigkeit der Termin am 2. Juli beibehalten worden. Früher wurden an Mariä Heimsuchung zur Abwehr von Blitzeinschlägen Haselzweige an die Fenster gehängt.

Von Matthias Altmann