Kirchensteuer laut Umfrage wichtiger Grund für Kirchenaustritt
Projektleiter mahnt stärkere "Mitgliederpflege" an

Kirchensteuer laut Umfrage wichtiger Grund für Kirchenaustritt

Warum treten Menschen aus der Kirche aus? Laut einer neuen – jedoch nicht-repräsentativen – Umfrage hat der Austritt oftmals finanzielle Gründe. Die Befragten nannten aber auch noch andere wichtige Ursachen für ihre Entscheidung.

Berlin - 29.07.2019

Die hohe Zahl an Kirchenaustritten hat offenbar auch finanzielle Gründe. Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte unter ausgetretenen Kirchenmitgliedern gaben 61,2 Prozent finanzielle Aspekte als häufigsten Grund für ihren Austritt an, teilte der Kirchenkreis am Montag in Berlin mit. 31,8 Prozent der Befragten hätten ihren Austritt dagegen damit begründet, dass sie mit dem christlichen Glauben nichts mehr anfangen könnten. 20,9 Prozent wiederum erklärten laut dem Kirchenkreis, sie hätten mit ihrem Austritt gegen kirchliche Äußerungen zu politischen oder anderen Fragen des öffentlichen Lebens protestieren wollen.

Deutlich seltener seien als Anlass für den Kirchenaustritt negative persönliche Erlebnisse mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer oder einem anderen kirchlichen Mitarbeiter genannt worden. Auch der Übertritt zu einer anderen Religionsgemeinschaft spiele kaum eine Rolle. "Ich sehe den Grund für Austritte vor allem darin, dass viele Menschen immer stärker ihre Bindung an unsere Kirche verlieren", sagte Pfarrer und Projektleiter Alexander Brodt-Zabka. Hier müsse man ansetzen und vor allem die "Mitgliederpflege" verbessern. "Wir müssen die Menschen persönlich ansprechen, und zwar nicht nur im Gottesdienst, sondern auch bei anderen Gelegenheiten", betonte Brodt-Zabka.

Hohe Austrittszahlen bei beiden großen Kirchen

Der Kirchenkreis Berlin Stadtmitte ist mit 79.807 Mitgliedern der größte auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Im vergangenen Jahr erklärten etwa 2.600 Bewohner des Kirchenkreises ihren Austritt aus der evangelischen Kirche. Allen diesen Menschen seien ein persönlicher Brief und ein Fragebogen zugeschickt worden, in dem die Gründe für den Kirchenaustritt erfragt wurden, so Brodt-Zabka. Der Rücklauf habe bei knapp 20 Prozent gelegen.

Ebenso wie die katholische Kirche hatte auch die evangelische Kirche Mitte Juli aktuelle Zahlen zur Mitgliederentwicklung in Deutschland veröffentlicht. Demnach traten im vergangenen Jahr 220.000 Protestanten aus ihrer Kirche aus, in der katholischen Kirche lag diese Zahl mit 216.078 etwas niedriger. Allerdings musste die katholische Kirche mit einem Plus von 29 Prozent eine stärkere Steigerung der Austrittszahlen hinnehmen als die evangelischen Landeskirchen mit einem Plus von 11,6 Prozent. Beide Kirchen verlieren zudem Mitglieder durch den demografischen Wandel; die Zahl der Taufen, Neueintritte und Wiedereintritte liegt ebenfalls deutlich unter der Zahl der kirchlichen Bestattungen. (stz)