Warum eine gute Predigt wie ein Bikini sein sollte
Zwickauer Priester veröffentlicht Buch mit "Facebook-Predigten"

Warum eine gute Predigt wie ein Bikini sein sollte

Wie schafft man es als Priester, mehr Menschen mit der Frohen Botschaft in Berührung zu bringen? Pfarrer Markus Böhme versucht es mit Facebook, wo er regelmäßig Kurzfassungen seiner Predigten veröffentlicht. Im Interview erzählt er, wie die Nutzer darauf reagieren, warum er jetzt ein Buch mit seinen Facebook-Texten veröffentlicht hat und was eine gute Predigt ausmacht.

Von Steffen Zimmermann |  Zwickau - 26.08.2019

Seit sieben Jahren veröffentlicht der Zwickauer Pfarrer Markus Böhme jeden Sonntag und an den Hochfesten Kurzfassungen seiner Predigten auf Facebook. Das Interesse daran ist über die Jahre so sehr gewachsen, dass Böhme seine Texte nun erstmals als Buch veröffentlicht hat. "Kurz und knackig" will er den Menschen Impulse für ihren Alltag mit auf den Weg geben. Doch wie kam es überhaupt zu seinem Facebook-Engagement? Und wer liest dort seine Texte? Darüber spricht Böhme im katholisch.de-Interview, in dem er zudem erläutert, wie eine gute Predigt seiner Meinung nach aufgebaut sein muss.

Frage: Herr Böhme, vor sieben Jahren haben Sie damit begonnen, an Sonntagen und Hochfesten Kurzfassungen Ihrer Predigten auf Facebook zu veröffentlichen. Wie kam es dazu?

Böhme: Ich war damals schon länger bei Facebook aktiv und habe mich immer wieder über die vielen negativen Postings dort geärgert. Deshalb wollte ich mit positiven Beiträgen dagegenhalten – und was wäre da besser geeignet als die Frohe Botschaft! Hinzu kam der Ansatz, für die Glaubensverkündigung stärker moderne Medien zu nutzen. Jesus hat gesagt: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium." Für mich steht fest, dass er damit aus heutiger Sicht auch die sozialen Netzwerke gemeint hat.

Frage: In Ihrem Buch schreiben Sie mit Blick auf Beiträge in sozialen Netzwerken: "In der Kürze liegt die Würze". Wie schwierig ist es denn, eine Predigt für Facebook so zu kürzen, dass sie dort auch wirklich gelesen wird?

Böhme: Das ist gar nicht so leicht, denn natürlich muss der zentrale Gedanke der Predigt auch in der Kurzfassung erhalten bleiben und so formuliert sein, dass die Menschen ihn leicht nachvollziehen können. Es hätte allerdings auch keinen Zweck, einfach die vollständige Predigt bei Facebook zu veröffentlichen. Denn wer drei- oder viermal auf "Weiterlesen" klicken muss, wird schnell das Interesse verlieren. Aber die Mühe mit den Kurzfassungen lohnt sich: Jede Woche lesen unzählige Menschen meine Beiträge.

Frage: Wer denn zum Beispiel?

Böhme: Das ist ganz unterschiedlich. Ich weiß etwa, dass viele Priesterkollegen und Wortgottesdienstleiter meine Beiträge lesen und sich auf diese Weise Anregungen für ihre eigene Predigt holen. Unter den Lesern sind aber auch zahlreiche Menschen, die nie einen Gottesdienst besuchen würden oder sogar gar nichts mit Kirche am Hut haben. Die sind vielleicht mal durch Zufall auf meine Seite gestoßen oder kennen mich aus anderen Zusammenhängen – und sind dann regelmäßige Leser geworden.

Buchtipp

Markus Böhme: Kurz & knackig. Die Frohe Botschaft zum Tweeten, Teilen, Liken. Seubert Verlag, Marktoberdorf 2019, 224 Seiten, 19,80 Euro. ISBN: 978-3-947092-11-6

Frage: Und was für Rückmeldungen bekommen Sie auf ihre Beiträge?

Böhme: Bislang habe ich ausschließlich positive Reaktionen erlebt. Immer wieder bedanken sich Leser bei mir für meine Impulse. Das freut mich natürlich sehr.

Frage: Ihre Impulse haben Sie nun erstmals als Buch veröffentlicht – sortiert nach den drei Lesejahren sowie besonderen Festen und Hochfesten. Richtet sich das Buch also vorrangig an andere Priester und Wortgottesdienstleiter?

Böhme: Nein, auf keinen Fall. Ich möchte mit dem Buch möglichst viele Menschen erreichen und ihnen Impulse für ihren Alltag an die Hand geben. Dass mir das gelingt, zeigen mir die vielen Reaktionen – auch von Menschen, die nicht kirchlich gebunden sind.

Frage: Zu Beginn Ihres Buchs findet sich der Satz: "Eine Predigt muss wie ein Bikini sein: kurz und knapp, ansprechend und das Wesentliche abdecken". Für einen katholischen Priester ist das – noch dazu in Zeiten von #MeToo – nicht ganz unheikel. Haben Sie deswegen schon Ärger bekommen?

Böhme: Bisher noch nicht. Aber der Satz stammt ursprünglich auch nicht von mir. Ich habe ihn vor vielen Jahren in meiner Ausbildung gehört – allerdings weiß ich nicht mehr von wem. Gleichwohl: Der Satz hat sich mir tief eingeprägt. Außerdem bringt er die Menschen nach meiner Erfahrung immer zum Schmunzeln.

Frage: Können Sie denn jenseits des Bikinis erläutern, wie die ideale Predigt aus Ihrer Sicht aussieht?

Böhme: Ganz entscheidend ist, dass eine Predigt irgendwann ein Ende hat (lacht). Die Menschen in meiner Gemeinde wissen, dass ich sonntags maximal sieben Minuten predige; nur an hohen Feiertagen kommen noch ein bis zwei Minuten hinzu. Inhaltlich starte ich immer mit einem Alltagsbeispiel, danach leite ich zu den jeweiligen Texten der Heiligen Schrift über, ehe ich zum Schluss wieder zurück zum Alltag der Menschen komme. Die Gläubigen sollen merken, dass die biblischen Texte zwar alt sind, aber trotzdem etwas mit der Lebenswirklichkeit unserer heutigen Welt zu tun haben. Hinzu kommt: Ich beschränke mich immer auf einen Gedanken und ende nie mit "Amen".

Bild: © privat

Markus Böhme ist Pfarrer in Zwickau.

Frage: Warum?

Böhme: Wenn eine Predigt mit "Amen" endet, führt das meist dazu, dass die Menschen den Inhalt schnell wegsortieren – nach dem Motto "So, das war's. Weiter zum nächsten Punkt". Ich habe aber das Ziel, die Menschen mit meinen Predigten zum Mit- und Weiterdenken anzuregen. Deshalb ende ich meist mit einer Frage oder einem Appell.

Frage: Wo finden Sie denn die Inspiration für ihre Predigten?

Böhme: Im Prinzip auf der Straße. Ich versuche immer, mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen. Ich will Ihnen ein Beispiel nennen, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Als ich vor zwei Jahren im Schwarzwald unterwegs war, kam ich bei einem Spaziergang an einer Baustelle vorbei und las dort den Werbeslogan: "Hier entsteht Zukunft". Da habe ich sofort gewusst: Das ist die Botschaft für meine Weihnachtspredigt. Wo Gott baut, entsteht Zukunft!

Frage: Wann entstehen Ihre Predigten? Schon Tage vorher oder auf den letzten Drücker?

Böhme: Ich fange spätestens am Montag an, mich mit den biblischen Texten für den kommenden Sonntag zu beschäftigen. Parallel dazu beginne ich damit, alles aufzuschreiben, was mir an Gedanken zu den Texten einfällt. Diese Gedanken begleiten mich dann die nächsten Tage – bis ich irgendwann weiß, was ich den Menschen sagen möchte. Meistens bin ich spätestens am Donnerstag mit der Predigt fertig. Wenn das aber nicht der Fall ist, fange ich am Freitag ordentlich an zu rotieren (lacht).

Frage: Die Predigt hat im Gottesdienst mitunter einen schweren Stand – Inhalt und Länge sind bei den Gläubigen immer wieder Anlass für Kritik. Welche Bedeutung hat die Predigt für Sie?

Böhme: Sie ist ein ganz zentrales Element der Heiligen Messe – vor allem mit Blick auf die Glaubensvermittlung. Wo sonst kommen denn die Menschen heute noch mit den biblischen Texten in Berührung? Und wo sonst werden sie dazu aufgefordert, sich mit diesen Texten und deren Relevanz für ihr eigenes Leben auseinanderzusetzen? Umso wichtiger ist es, dass man als Priester die Chance der Predigt nutzt und den Menschen tatsächlich einen inhaltlichen Mehrwert für ihren Alltag mit auf den Weg gibt.

Von Steffen Zimmermann

Zur Person

Markus Böhme (*1974) ist seit 2014 Pfarrer in Zwickau und betreut dort derzeit vier Gemeinden, außerdem ist er Dekan des Dekanats Zwickau. Böhme absolvierte nach der zehnten Klasse zunächst eine Lehre als Tischler, ehe er in der Spätberufenenschule St. Josef in Fockenfeld sein Abitur ablegte. Anschließend studierte er in Erfurt und Dublin Katholische Theologie. Nach dem Studium war er zwei Jahre Jugendbildungsreferent im Dekanat Plauen. 2006 wurde er zum Priester geweiht, seine erste Anstellung erhielt er danach als Kaplan in Freiberg, wo er auch als Seelsorger für Studierende und Bistumsministranten tätig war. 2009 wurde er zum Domvikar an der Kathedrale in Dresden ernannt, 2013 zum persönlichen Referenten des damaligen Dresdner Bischofs Heiner Koch.