Eine Frau empfängt die Eucharistie
Was die gemeinsame Kommunion für gemischtkonfessionelle Paare bedeutet

"Scheidung am Tisch des Herrn"

Wann gibt es eine gemeinsame Kommunion für alle Getauften? Das ist die zentrale Frage der Ökumene. Gemischtkonfessionelle Paare dürfen seit einem Jahr in manchen Bistümern gemeinsam die Eucharistie empfangen. Die Regelung könnte als Vorbild dienen.

Von Franziska Hein (epd) |  Frankfurt am Main - 26.08.2019

Den Hochzeitstag haben alle Ehepaare in besonderer Erinnerung. Doch für Beate und Jörg Beyer aus Tübingen ist der 8. Mai 1982 doppelt bedeutsam: Beate Beyer ist katholisch, Jörg Beyer evangelisch. Die Trauung fand in einer evangelischen Kirche statt und wurde von einem katholischen Priester und einem evangelischen Pfarrer gehalten - allerdings ohne eine Eucharistiefeier, die nach katholischem Ritus meist zur Trauung dazugehört. "Wir haben aus Rücksicht auf unsere Verwandtschaft darauf verzichtet", erinnert sich Jörg Beyer.

"Vor und nach unserer Hochzeit waren wir immer gemeinsam bei der Kommunion", erzählt Beyer. Doch dass gemischtkonfessionelle Ehepaare gemeinsam in der katholischen Messe die Eucharistie empfangen dürfen, ist offiziell erst seit einem Jahr in einigen der 27 katholischen Diözesen in Deutschland möglich. 2018 erschien die Orientierungshilfe der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zur Frage konfessionsverbindender Ehen und der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie. Dem Erscheinen ging ein Streit unter den Bischöfen voraus, den der Vatikan schlichten musste.

Möglich wurde die gemeinsame Kommunion durch einen theologischen Kniff. Die Orientierungshilfe wendet auf die Situation konfessionsverbindender Ehen das Grundprinzip an, dass nicht-katholische Christen unter bestimmten Bedingungen an der Eucharistie teilnehmen können, erklärt der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Sie spricht von einer "schweren geistlichen Notlage", weil es zu einer ernsten Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Partner kommen könne, wenn der evangelische Partner oder die evangelische Partnerin von der der Eucharistie ausgeschlossen bleibe.

Trotzdem gibt es Paare wie die Beyers, die schon vor der Entscheidung der Bischöfe in eigener Gewissensentscheidung zur Kommunion gegangen sind - oft ermutigt von katholischen Seelsorgern. Nach katholischem Verständnis ist die Ehegemeinschaft wie eine eigene kleine Kirche. Das müsse auch beim Empfang der Eucharistie sichtbar werden, fanden beide schon damals. "Da, wo wir nicht gemeinsam gehen können, wird der Leib Christi zerrissen", sagt Jörg Beyer. "Das ist Ehescheidung am Tisch des Herrn." Seine Frau Beate erinnert sich an die Erstkommunion ihrer Kinder. "Ich hätte es furchtbar gefunden, wenn die Kinder zur Kommunion gehen und der Papa nur daneben steht", erzählt sie.

Beide sind im Netzwerk Ökumene aktiv, das gemischtkonfessionelle Ehepaare berät und begleitet. Jörg Beyer stört, dass die Orientierungshilfe so lange auf sich hat warten lassen - und, dass es bis heute keine flächendeckende Regelung gibt.

Zwei Hände in Nahaufnahme zerbrechen eine Hostie.
Bild: © KNA

Ein Priester bricht die Hostie über dem Kelch.

Rund 15 Bistümer haben für ihren Bereich Regelungen nach Empfehlung der Orientierungshilfe verabschiedet, sagt der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Karl-Hinrich Manzke, darunter auch das Bistum Rottenburg-Stuttgart, in dem Beyers leben. Als Catholica-Beauftragter hat Manzke die gemischtkonfessionellen Ehepaare besonders im Blick. In der evangelischen Kirche werden alle Getauften zum Abendmahl eingeladen, erklärt der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe.

Es habe einige Paare gegeben, die sich enttäuscht von ihrer Kirche entfernt hätten - und für die Veröffentlichung somit definitiv zu spät gekommen sei, sagt er. Doch für ihn ist die Orientierungshilfe trotzdem ein Fortschritt - und auch ein Schritt auf dem Weg zur gemeinsamen Kommunion aller Getauften. "Ich verstehe das so, dass die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Abendmahl aller Getauften auch nach katholischem Verständnis noch vertieft worden ist", sagt er.

Annemarie Myllek und ihr Mann Wolfgang sind seit 1985 verheiratet. Ihr Mann ist evangelisch, sie selbst katholisch. Für beide sei der Glaube in ihrem Leben wichtig, sagt Myllek. Ihr Mann erzählt, er sei schon in der Kindheit in Köln mit dem Katholizismus in Kontakt gekommen und habe nie Probleme gehabt, auf Katholiken zuzugehen. Vor der Hochzeit gab es ein Gespräch zwischen ihm und den Brauteltern. Wolfgang Myllek versprach seinem Schwiegervater, dass die Kinder des Ehepaares katholisch getauft und erzogen werden.

Ihre Eltern waren es auch - so erinnert sich Annemarie Myllek -, die ihren Mann später darauf hinwiesen, dass er als Protestant nicht ohne weiteres gemeinsam mit seiner Frau an der katholischen Kommunion teilnehmen kann. Zuvor war ihr Mann in der katholischen Messe immer mit zur Kommunion gekommen, erzählt Myllek. Doch seither tut er das nicht mehr - aus Respekt. Sie hat auch Bedenken, als Katholikin am evangelischen Abendmahl teilzunehmen.

Mylleks leben in Sankt Augustin bei Bonn, die Gemeinde gehört zum Erzbistum Köln, dessen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki einer der Skeptiker gegenüber der Kommunionspraxis für konfessionsverbundene Paare ist. Seiner Meinung nach ist es nicht "redlich", wenn katholische und evangelische Christen gemeinsam die Eucharistie empfangen. "Würde man trotzdem gemeinsam kommunizieren, würde man die noch nicht bestehende Kirchengemeinschaft lediglich liturgisch simulieren", begründete er seine Ablehnung der Orientierungshilfe.

Für Mylleks hat die Frage der gemeinsamen Kommunion für ihren Alltag keine direkte Bedeutung. Dennoch ist sie immer wieder Thema. Das Ehepaar hat auch schon mit einem Priester darüber gesprochen. Doch vorerst bleibt es bei seiner Entscheidung, nicht gemeinsam zur Kommunion zu gehen. Das Paar akzeptiert die kirchlichen Unterschiede und wünscht sich trotzdem für die Zukunft eine gemeinsame Lösung.

Von Franziska Hein (epd)