Trotz geheimer Mitschnitte: US-Bischof will im Amt bleiben
Wegen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen in der Kritik

Trotz geheimer Mitschnitte: US-Bischof will im Amt bleiben

Es hört sich an wie aus einem Agentenfilm: Vertrauliche Gespräche eines US-Bischofs über seinen Umgang mit Missbrauchfällen werden abgehört und danach veröffentlicht. Der Skandal ist groß, doch der Bischof will seinen Stuhl nicht räumen.

Washington - 06.09.2019

Der Bischof von Buffalo, Richard Malone, will nach der Veröffentlichung eines geheim mitgeschnittenen Gesprächs über den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen in seiner Diözese nicht zurücktreten. "Wenn ich wüsste, dass die Mehrheit der Katholiken meinen Rücktritt fordert, wäre das eine andere Geschichte", sagte Malone laut US-Medienberichten (Donnerstag Ortszeit) auf einer Pressekonferenz in Buffalo. Er fühle sich ausreichend unterstützt, um weiter im Amt zu bleiben.

Hintergrund der jüngsten Rücktrittsspekulationen ist der heimliche Audio-Mitschnitt eines vertraulichen Gesprächs des Bischofs, bei dem dieser zu erkennen gibt, dass er zum Amtsverzicht gezwungen sein könnte. In dem Gespräch vom 2. August mit seinem Sekretär Ryszard Biernat geht es um den Umgang des Bischofs mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens von Priestern der Diözese. Der TV-Sender WKBW hatte am Dienstag über das Audio-Dokument berichtet und ein Transkript der Aufnahmen auf seiner Webseite veröffentlicht.

Die Anschuldigungen eines Seminaristen gegen einen Priester der Diözese stellten "eine echte Krise" dar, sagte Malone. "Jeder in meinem Büro ist überzeugt, dass dies mein Ende als Bischof bringen könnte." Unklar bleibt, wer den Mitschnitt weitergeleitet hat. Biernat ist seit dem 14. August von seiner Position beurlaubt. Malone erklärte auf der Pressekonferenz, das Gespräch mit Biernat sei vertraulich gewesen und er sei besorgt darüber, dass dies öffentlich gemacht worden sei.

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Hintergrund des mitgeschnittenen Gesprächs sind Anschuldigungen des ehemaligen Seminaristen Matthew Bojanowski von November 2018 gegen den Priester Jeffrey Nowak, der ihn sexuell belästigt haben soll. Das Bistum hatte Nowak Ende August in den Zwangsurlaub geschickt. Den Aufnahmen zufolge ging es dabei auch um ein "Liebesdreieck" zwischen Priestern und einem Seminaristen. Nowak sei, so Malone, beurlaubt worden, nachdem er sich geweigert habe, einer Therapie zuzustimmen.

Malone sah sich seit längerem Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Ihm wird vorgehalten, Priester, die des Missbrauchs beschuldigt werden, nicht rechtzeitig von ihren Aufgaben entbunden zu haben. Der 72-Jährige ist seit 2012 Bischof von Buffalo, zuvor war er seit 2004 Oberhirte der Diözese Portland gewesen. Malones jetziges Bistum liegt im US-Bundesstaat New York und umfasst etwa 600.000 Katholiken (rom/KNA)