Der Altar des Petersdoms.
St. Peter sei "zuallererst eine Kirche und kein Museum"

Nach Vandalismus: Kirchenführer gegen Schutzmaßnahmen im Petersdom

Die Kerzenleuchter umgestoßen und das Kruzifix zerstört: Im Petersdom kam es vergangene Woche zweimal zu Vandalismus-Attacken am Papstaltar. Trotzdem halten mehrere Kirchenführer zusätzliche Barrieren und Glaswände für falsch.

Rom - 09.09.2019

Zwei Vandalismus-Attacken auf den Papstaltar des Petersdoms in der vergangenen Woche werfen in Rom die Frage nach strengeren Sicherheitsvorkehrungen für die wertvollen Kunstwerke der Basilika auf. Mehrere Kirchenführer sprechen sich nun jedoch gegen Vorkehrungen wie bei der berühmten Pietà von Michelangelo aus: "Im Großen und Ganzen passieren solche Vorfälle sehr, sehr selten. Und es ist gut, wenn der Petersdom Besuchern weiterhin zugänglich bleibt", sagte Kirchenführerin Agnes Crawford am Montag dem US-amerikanischen Nachrichtenportal "Crux".

Vergangenen Mittwoch hatte ein Mann die Absperrungen im Petersdom überwunden und war auf den Papstaltar gestiegen. Bevor Sicherheitskräfte ihn festnehmen konnten, gelang es ihm, einen Kerzenleuchter vom Altar zu werfen. Nur zwei Tage später hatte erneut ein Mann den Altar unter dem Bernini-Baldachin gestürmt. Die Kirchenführerin Agnes Crawford war zu dem Zeitpunkt mit einer Gästegruppe in der Kirche: "Der Mann kletterte auf den Altar und begann das Kruzifix und die Kerzenleuchter umzuwerfen. Dann nahm er das Kruzifix und schlug es mehrmals gegen den Marmor des Altares." Nachdem er von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen wurde, machte Crawford einige Fotos, die sie auf ihrem Twitter-Kanal veröffentlichte. Darauf sieht man das zerstörte Kruzifix neben dem Altar stehen.

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Trotz dieser Attacken spricht sich Crawford gegen eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in der Basilika aus: "Wenn man jedes Mal Zäune, Barrieren und Glaswände aufbaut, sobald jemand etwas zu tun versucht, wird alles hermetisch abgeriegelt, obwohl sich die Mehrheit der Menschen vollkommen normal verhält." Ähnlich formulierte es ihr Kollege Mountain Butorac: "Ich möchte nicht, dass alles hinter Glas und Absperrungen verschwindet. Warum muss man alle bestrafen für das, was nur einige wenige getan haben." Während zusätzliche Barrieren und Verbote kaum helfen würden, spricht sich Crawford jedoch für eine höhere Wachsamkeit aus. Denn "irgendetwas an großen Kirchen scheint recht seltsame Leute anzuziehen".

Auch die Kunsthistorikerin Elizabeth Lev bezeichnete stärkere Schutzmaßnahmen als reflexartige Antwort, die letztendlich einen unglücklichen Effekt hätten: "St. Peter ist kein Museum, es ist ein lebendiger Ort der Anbetung und zusätzliche Barrieren würden das Erfahren der spirituellen Natur des Orts für Pilger und Besucher beeinträchtigen." Lev zeigte sich überrascht, dass die beiden Männer überhaupt so weit gekommen seien, da der Altarbereich für Besucher abgesperrt ist und von Sicherheitsleuten bewacht wird. (cst)