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Standpunkt

Maria taugt weder als Reformgegnerin noch als Revolutionärin

Das Netzwerk "Pontifex" lehnt die kirchenpolitische Instrumentalisierung der Muttergottes ab. Dabei tut es dasselbe, kommentiert Matthias Altmann. Maria tauge zwar nicht als Revolutionärin – als Reformgegnerin eigne sie sich aber auch nicht.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 17.09.2019

Erst "Maria 1.0", nun auch das katholische Netzwerk "Pontifex": Am vergangenen Sonntagabend haben sich rund 300 Katholiken vor dem Kölner Dom versammelt, um ein Zeichen gegen eine "Instrumentalisierung" der Muttergottes für kirchenpolitische Zwecke zu setzen. Genau das wirft die Organisation unterschwellig der Initiative "Maria 2.0" vor, die sich für mehr Frauenrechte in der Kirche einsetzt. Was Bewegungen wie "Maria 1.0" oder das Netzwerk "Pontifex" übersehen: Auch sie instrumentalisieren die heilige Maria für ihre Interessen.

Mit dem Verweis auf Maria, die ihre Größe ja nicht in Machtausübung, sondern im dienenden Handeln gesehen habe, sollen die Stimmen diskreditiert werden, die sich für Gewaltenteilung und Teilhabe von Frauen an Leitungsfunktionen in der Kirche einsetzen. Welches Totschlagargument eignet sich in dieser Angelegenheit besser als Maria? Schließlich gilt sie seit jeher als Musterbeispiel für Demut und die Fügung unter Gottes Willen. Bei allen Gegenbewegungen zu den pro-reformerischen Protestinitiativen dürfte der Rückgriff auf die Muttergottes vor allem einem Zweck dienen: Alles in der Kirche soll so bleiben, wie es vermeintlich schon immer gewesen ist.

Das heißt allerdings nicht, dass "Maria 2.0" die Gottesmutter nicht verzweckt. Genauso wenig, wie die heilige Maria als Reformgegnerin geeignet ist, taugt sie als Frauenrechtlerin oder Revolutionärin. Das gibt der neutestamentliche Befund nicht her. Eine Sache wäre allerdings gewiss im Sinne der Gottesmutter: Wenn die gegenüberstehenden Parteien den Konflikt durch immer neue Inszenierungen, Gebetsaufrufe oder Pressestatements in der aktuellen Situation nicht weiter eskalieren lassen. Denn die unterschiedlichen Positionen zu den Streitthemen sind längst bekannt und liegen auf dem Tisch. Und noch wichtiger: Die deutschen Bischöfe sind – anders als noch vor einigen Jahren oder Monaten – bereit, sich damit auseinanderzusetzen. Vertrauen wir also auf den "synodalen Weg" – und das Wirken des Heiligen Geistes!

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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