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"Synodaler Weg" – aufeinander und den Heiligen Geist hören

Bald beginnen die Vorbereitungen für den "synodalen Weg". Doch momentan fühlt sich Ulrich Waschki eher an Koalitionsverhandlungen erinnert. Er vermisst wirklichen Dialog und gegenseitiges Verständnis.

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 10.09.2019

Eine Synode ist kein Parlament, in dem man durch gegenseitiges Geben und Nehmen Kompromisse erzielt, sondern eine Versammlung, die auf den Heiligen Geist hört. Das hat Papst Franziskus vor einer Woche der Synode der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine mit auf den Weg gegeben. Diese Mahnung ist aber auch für den bevorstehenden synodalen Weg in Deutschland wichtig. Am Ende dieser Woche wollen Laien und Bischöfe wichtige Vorbereitungen erledigen, etwa den Entwurf einer Satzung erarbeiten. Am 1. Advent soll der synodale Weg starten.

Schon im Vorfeld wird er von kritischen Stimmen begleitet, die vor Kirchenspaltung, einem deutschen Sonderweg samt Nationalkirche warnen oder gar von Irrlehren sprechen. Auf der anderen Seite gibt es laute Rufe nach Reformen. Sie sind verbunden mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen etwa der kfd oder von Maria 2.0, die – beabsichtigt oder nicht – manchmal suggerieren, als ob deutsche Bischöfe mal eben die Priesterweihe für Frauen beschließen könnten und so völlig falsche Erwartungen schüren.

Wenn beide Seiten sich so auf den synodalen Weg begeben, können sie sich die Zeit besser sparen. Sie wirken wie Parteivertreter, die vor Koalitionsverhandlungen ihre Claims abstecken. Da ist vom Hören auf den Heiligen Geist wenig zu spüren. Viel gewonnen wäre schon, wenn beide Seiten sich erst einmal gegenseitig guten Willen unterstellen würden.

So geht es den so genannten Reformern nicht darum, die Kirche der Welt anzupassen. Sie haben nicht die naive Vorstellung, durch Frauenpriestertum, eine andere Sexualmoral oder Änderungen beim Zölibat die Kirchen wieder zu füllen. Diese Fragen sind deshalb auf der Agenda, weil die so genannte MHG-Studie in ihnen Gründe für den Missbrauchsskandal sieht. Aus ihrem Glauben heraus halten viele Katholiken manche kirchliche Position auf diesen Feldern für falsch und unglaubwürdig.

Und auch die konservativen Kritiker solcher Reformforderungen handeln aus ihrem Glauben heraus. Ihnen geht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit der kirchlichen Tradition und Lehre. Reformkritischen Bischöfen die Sorge um den eigenen Machterhalt oder gar die bewusste Unterdrückung von Frauen vorzuwerfen, ist zu einfach.

Wie beide Lager zusammenfinden können, ist völlig unklar. Sie werden sich bewegen müssen, indem sie sich ehrlich aufeinander einlassen, sich zu verstehen versuchen und so die eigene Position kritisch hinterfragen und verändern. Gelegenheiten dazu gab es schon viele. Genutzt wurden sie bisher nicht.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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