Eine Ikone von Maria mit Christus auf dem Schoß
Bild: © katholisch.de
Große Sonderausstellung in der Kunsthalle Bremen

Ikonen – Was wir Menschen anbeten

Von der religiösen Ikone über Ikonen der Kunstgeschichte bis zur Pop-Ikone Madonna reicht das Spektrum einer neuen Ausstellung in der Kunsthalle Bremen. Im Zentrum steht die Frage, was Menschen anbeten.

Von Johannes Schönwälder (KNA) |  Bremen - 19.10.2019

Ja, auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat Eingang in die große Sonderausstellung "Ikonen. Was wir Menschen anbeten" gefunden. Für jeweils fünf Sekunden taucht ihr Bild in einer Video-Installation mit rund 60 weiteren "ikonischen" Persönlichkeiten und Momenten aus den vergangenen 100 Jahren auf. Sie teilt sich diese Kurz-Präsenz etwa mit Madonna, dem Dalai Lama, dem Kniefall Willy Brandts in Warschau 1970 oder den einstürzenden Türmen des World Trade Centers.

Und diese Installation ist wiederum nur eines unter 59 anderen Exponaten in der Schau, die ab diesem Samstag in der Kunsthalle Bremen zu sehen ist. Ihr Spektrum reicht von der klassischen russischen Ikone über Kopien der Mona Lisa und Vincent van Goghs "Selbstporträt mit grauem Filzhut" bis zu Andy Warhols berühmten Siebdruck mit dem Gesicht von Marilyn Monroe. Insgesamt sind es 60 Werke oder Werkgruppen in allen 60 Räumen, die das Haus für Ausstellungen zur Verfügung hat. Das hat es in der Geschichte der Kunsthalle noch nicht gegeben, wie Direktor Christoph Grunenberg erläutert. Ein Raum – ein Exponat, diese einmalige Inszenierung ermögliche dem Besucher eine konzentrierte Begegnung. Die Schau solle zeigen, wie sich auch heute noch mit der "Ikone" eine kultische Verehrung und die Idee des Übersinnlichen verbinde, so der Kunsthistoriker. Heute werde der Begriff ja inflationär gebraucht. Schon mit dem ersten Erfolg würden etwa Pop- oder Filmstars schon so bezeichnet, und auch Influencer mit Schmink- oder Anziehtipps erhielten das Label.

Ursprünge in der mittelalterlichen Ostkirche

Ursprung aber sind die seit dem Mittelalter vor allem in der Ostkirche gefertigten Andachtsbilder mit Christus- oder Heiligendarstellungen. In ihnen ist für Gläubige Gott unmittelbar anwesend. Ihnen wird die Fähigkeit zugesprochen, Wunder zu vollbringen. Und so beginnt die Bremer Ausstellung auch mit einer Leihgabe aus dem Ikonen-Museum Recklinghausen, einer Christus-Darstellung aus dem 16. Jahrhundert. Einer Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert und zwei Reliquien-Schreinen von 1230 werden moderne Werke entgegengestellt, die das Sujet übernehmen, aber etwa einen New Yorker Hip-Hop-Tänzer zeigen oder die kitschig-bunten Souvenir-Madonnen aus dem französischen Wallfahrtsort Lourdes karikieren.

Der Prophet Jesaja auf einer griechischen Ikone.

Im 19. Jahrhundert vollzog sich ein Bruch zwischen Religion und Kunst, wie Grunenberg erklärt. Beide entwickelten sich auf eigenen Wegen. Das neue Bild erlangte seine bis heute gültige Bedeutung als Kunstwerk. Mit dem modernen Menschenbild verblasste die Vorstellung, dass letztlich Gott die Hand eines Künstlers führe. Stattdessen wurden die Kunstschaffenden selbst zu Schöpferfiguren. Inzwischen pilgerten die Menschen zu einzelnen Kunstwerken, was in der Ausstellung wohl am besten Leonardo da Vincis Mona Lisa versinnbildliche, erläutert Grunenberg.

"Ultimative Ikone der Kunstgeschichte"

Die Bremer Schau zeigt drei Kopien dieser "ultimativen Ikone der Kunstgeschichte" aus drei Jahrhunderten. Andere "Ikonen der Moderne" sind Piet Mondrians "Composition des lignes et couleur", das "Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch oder eine der zahlreichen "Blue Monochromes" von Yves Klein. Hingucker sind sicher auch der rund vier mal drei Meter große, knallrote "Balloon Dog" von Jeff Koons oder der "Konzertflügeljom" von Joseph Beuys, die Installation eines Konzertflügels ohne Beine sowie einer Geige - ein Relikt aus dem Konzert "Ich versuche dich freizulassen (machen)", das der Künstler 1969 aufführte und das nicht das Kunstwerk selbst, sondern den Schöpfergedanken in den Mittelpunkt stellt.

Zu sehen sind darüber hinaus Werke von Caspar David Friedrich, Wassily Kandinsky, Niki de Saint Phalle und Bill Viola. Die teils weltberühmten Werke sind laut Kunsthalle Leihgaben bedeutender Museen wie dem San Francisco Museum of Modern Art, der Tretjakow-Galerie in Moskau, der Tate Gallery London, dem Stedelijk Museum und dem Van Gogh Museum in Amsterdam sowie der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die Ausstellung läuft bis 1. März 2020.

Von Johannes Schönwälder (KNA)

Hinweis

"Ikonen. Was wir Menschen anbeten", Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, 19. Oktober bis 1. März, geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Dienstag 10 bis 21 Uhr, Eintritt 15 Euro, ermäßigt 7 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.