Papst Johannes Paul II. in Polen
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Heiliger Papst als "Patron Europas"

Polnische Bischöfe: Johannes Paul II. soll Kirchenlehrer werden

Der polnische Pontifex habe das Papsttum verändert und die Weltgeschichte entscheidend beeinflusst: Deshalb soll er nach dem Willen der Polnischen Bischofskonferenz zum Kirchenlehrer und "Patron Europas" erklärt werden.

Warschau - 23.10.2019

Die Polnische Bischofskonferenz hat Papst Franziskus darum gebeten, seinen heiligen Vorgänger, Johannes Paul II., zum Kirchenlehrer und "Patron Europas" zu erklären. "Das Pontifikat des polnischen Papstes war durch wegweisende Entscheidungen und bedeutende Ereignisse geprägt, die das Erscheinungsbild des Papsttums verändert und den Kurs der Geschichte Europas und der Welt beeinflusst haben", schrieb der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki, laut einer Verlautbarung auf der Internetseite der Bischofskonferenz am Dienstag. Auch der langjährige Privatsekretär von Johannes Paul II., Kardinal Stanisław Dziwisz, unterstützt die Bitte.

"Der Reichtum des Pontifikats des heiligen Johannes Paul II. – von vielen Historikern und Theologen Johannes Paul II. der Große genannt – resultiert aus dem Reichtum seiner Persönlichkeit. Als Dichter, Philosoph, Theologe und Mystiker verwirklichte er sich in vielen Dimensionen, von der Seelsorge bis zum Lehramt, von der Leitung der universalen Kirche bis hin zum persönlichen Zeugnis der Heiligkeit des Lebens", so der Erzbischof in dem Schreiben weiter. Die große Leistung des Polen sei aber sein Beitrag zur Wiederherstellung der Einheit Europas nach mehr als 50 Jahren der Trennung durch den Eisernen Vorhang.

Der Erzbischof von Posen, Stanislaw Gadecki, ist derzeit Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.
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Der Erzbischof von Posen, Stanislaw Gadecki, ist derzeit Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.

Kardinal Dziwisz, der Karol Wojtyła als Privatsekretär von 1966 bis zu dessen Tod 2005 begleitete, äußerte sich ebenfalls am Dienstag im Rahmen einer Veranstaltung der "Europa Christi"-Bewegung in Warschau. Das Erbe des Papstes sei eine reiche, vielseitige und kreative Synthese verschiedener Denkweisen. Bezogen auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, sagte Dziwisz, dass "die Renaissance, auf die wir alle warten, nur durch eine Neubesinnung auf die klassische Vision vom Menschen und der Welt erfolgen kann. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Erbe des heiligen Papstes Johannes Paul II. in diesem Kontext von großem Wert ist." Im kommenden Jahr feiert die katholische Kirche in Polen den 100. Geburtstag des polnischen Papstes und gleichzeitig seinen 15. Todestag.

Vor zwei Wochen hatte die polnische Bischofskonferenz angekündigt, ein Seligsprechungsverfahren für die Eltern von Papst Johannes Paul II. auf den Weg bringen zu wollen. Bereits im Juli 2018 hatte sich Kardinal Dziwisz für dieses Verfahren ausgesprochen: "Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass sich die geistige Haltung des künftigen Papstes und Heiligen in seiner Familie gebildet hat, dank des Glaubens seiner Eltern", zitierte ihn das Erzbistum Krakau auf der Internetseite. Zudem könnten Karol senior und Emilia Wojtyla als Vorbilder und Schutzpatrone für Familien dienen.

Aktuell gibt es 36 Menschen, die in der katholischen Kirche als "Doctores Ecclesiae" besondere Verehrung finden. Es handelt sich dabei um Heilige, Bischöfe und Geistliche, die einen prägenden Einfluss auf die Theologie hatten. Zuletzt wurde der armenische Mönch Gregor von Narek (951-1003) zum Kirchenlehrer ernannt. Papst Benedikt XVI. hatte 2012 mit der deutschen Benediktinerin und Mystikerin Hildegard von Bingen die vierte Frau in diesen Kreis aufgenommen. (cst)