Nach Vorschlag zum Verzicht auf Gold in Liturgie

Liturgiewissenschaftler: Man legt die Hostie nicht auf eine Untertasse

Aktualisiert am 12.11.2019  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Sollte die Kirche künftig auf Gold in der Liturgie verzichten? Einen entsprechenden Vorschlag gab es bei der Amazonas-Synode. Der Kölner Liturgiewissenschaftler Alexander Saberschinsky sagt, warum das pauschal nicht funktioniert.

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Nach Ansicht des Kölner Liturgiewissenschaftlers Alexander Saberschinsky haben liturgische Gefäße aus Gold nichts mit "Protzerei" zu tun. "Dahinter steckt eigentlich eine ganz natürliche Regung, dass man nämlich Dinge, die für einen gefühlt wertvoll sind, auch rein äußerlich wertvoll ausgestaltet", sagte Saberschinsky am Dienstag dem Kölner "Domradio". Kelch, Hostienschale oder Monstranz kämen mit dem in Berührung, was die Kirche in ihrer Tradition das "Allerheiligste" nenne. "Dann ist natürlich klar, dass man die Hostie nicht auf eine Untertasse legt, sondern auf ein ganz besonderes Gefäß – in dem Fall eine Hostienschale, die aus einem kostbaren Material ist", so der Liturgiewissenschaftler.

Saberschinsky äußerte sich zu den Vorschlägen des Missionars Dario Bossi, der am Rande der Amazonas-Synode dazu aufgerufen hatte, in der Kirche auf neue liturgische Gefäße aus Gold sowie auf goldene Eheringe zu verzichten. Bossi begründete das damit, dass die Goldsuche und Goldgewinnung im Amazonasgebiet zu schweren Umwelt- und Gesundheitsschäden, insbesondere bei Indigenen, führe. Am Donnerstag wiederholte Bossi seine Forderung bei einer Fachtagung in Würzburg. In der Liturgie werden seit vielen Jahrhunderten vorzugsweise liturgische Geräte benutzt, die vergoldet sind oder aus anderen Edelmetallen bestehen.

Saberschinsky betonte weiter, dass Gefäße wie Hostienschale und Kelch der jeweiligen kulturellen Tradition entsprechen müssten. "Das heißt, in einer bestimmten Tradition könnte ein Kelch aus kostbarem Holz ein edles Material sein", so der Liturgiewissenschaftler. Die Kirche habe zwar insgesamt eine Präferenz für Gold. "Aber man ist auch offen für andere Formen." Über die Einwände Bossis müsse man sicher nachdenken, so Saberschinsky. Wenn jedoch ein Dekret aus Rom oder vom Bischof käme, dass Gold-Kelche sofort verboten seien, wäre das ein Bruch mit der eigenen kulturellen Tradition. "In unserer Kultur hat Gold halt diesen Stellenwert." (tmg)