Priester werden im Petersdom zu Bischöfen geweiht.
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Vor zehn Jahren war Zahl noch wesentlich geringer

Kurienkardinal verrät: Etwa jeder dritte Bischofskandidat lehnt Amt ab

Es gibt nicht nur immer weniger Männer, die Priester werden wollen – auch das Bischofsamt scheint nicht mehr so beliebt wie früher zu sein. Kurienkardinal Ouellet hat verraten, dass 30 Prozent der Bischofskandidaten das Amt ablehnen. Vor zehn Jahren war diese Zahl noch wesentlich geringer.

Vatikanstadt/Madrid - 06.12.2019

Weltweit wird es immer schwieriger, Kandidaten für das Bischofsamt zu finden: 30 Prozent der vom Papst ausgewählten Geistlichen lehnten diese Ernennung ab, sagte der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe dem spanischen Magazin "Vida Nueva" am Freitag. Vor zehn Jahren habe diese Zahl leidglich bei zehn Prozent gelegen, so Kardinal Marc Ouellet. Viele Kandidaten begründeten demnach ihre Absage mit persönlichen Gründen oder damit, dass sie nicht das Risiko eingehen wollten, "der Kirche Schaden zuzufügen".

Im Vatikan akzeptiere man diese Gründe und bitte den Papst, einen anderen Kandidaten aus der von der Kongregation erstellten Dreierliste auszuwählen, sagte der Kurienkardinal weiter. Franziskus lebe mit den Absagen der Bischofskandidaten "so gut es geht und bittet den Herrn, dass er ihnen Mut verleiht". Die Probleme beim Finden neuer Bischöfe seien "Teil der generellen Glaubenskrise", die sich auch in der Ehe, im geweihten Leben oder im Priestertum zeige.

Zudem sei das von Papst Franziskus gewünschte Profil der neuen Bischöfe ein anderes als unter seinen Vorgängern: "Weniger Professoren und mehr Hirten." Dass ein Kandidat Theologie gelehrt habe, sei kein Ausschlusskriterium, doch dann "suchen wir darüber hinaus nach pastoraler Erfahrung", sagte Ouellet, dessen Vatikanbehörde dafür zuständig ist, dem Papst für das Bischofsamt geeignete Kleriker vorzuschlagen. Ein Bischof müsse nach dem Willen von Franziskus als guter Hirte "einen Geruch nach Schafen" haben. Das bedeute, "sich für die Armen, die am Rand Stehenden, die Verlassenen und die Leidenden zu interessieren".

Ouellet betonte, dass ein Bischof nicht nur Seelsorger, sondern auch "Lehrer des Glaubens und ein Verkünder des Evangeliums, also der erste Prediger der Diözese" sein müsse. Es genüge jedoch nicht, die Wahrheiten des Glaubens zu bekräftigen, weil sich die Kultur in den vergangenen 40 Jahren sehr verändert habe. Heute müsse man "in eine neue Ära des Dialogs eintreten".

Die Weihe von "viri probati" hält Ouellet für kein geeignetes Mittel gegen den Priestermangel. Bei der Amazonas-Synode im Oktober hatte der Kardinal deshalb gegen einen entsprechenden Vorschlag im Abschlussdokument gestimmt. Durch ihr Votum für die Weihe älterer, geeigneter Familienväter in Ausnahmefällen habe die Synode ihn enttäuscht. Ouellet schlug vor, eine Bischofssynode solle sich mit dem Priesteramt und seiner Verbindung mit dem Zölibat befassen. (rom)