Jeder Selbstmord sei "Niederlage" für Gesellschaft

Assistierter Suizid: Kurienerzbischof würde Sterbenden die Hand halten

Aktualisiert am 11.12.2019  –  Lesedauer: 
Bischof Felix Genn besucht eine Patientin in einem Hospiz in Münster.
Bild: © KNA

Rom ‐ Die Kirche lehnt assistierten Suizid kategorisch ab. Das heißt jedoch nicht, dass sie diejenigen im Stich lässt, die sich dafür entscheiden, sagt Kurienerzbischof Vincenzo Paglia. Jeder Selbstmord stelle nämlich eine Anfrage an die Gesellschaft.

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Kurienerzbischof Vincenzo Paglia hat bekräftigt, er würde die Hand eines Menschen halten, der durch assistierten Suizid stirbt. "Jemanden zu begleiten, der im Sterben liegt, ihm die Hand zu halten, ist etwas, das jeder Gläubige unterstützen muss", sagte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben laut dem US-Onlinemagazin "Crux" am Dienstag vor Journalisten in Rom. Obwohl die Kirche assistierten Suizid grundsätzlich ablehne, werde niemand von ihr im Stich gelassen, der sich dafür entscheide. Paglia äußerte sich im Vorfeld einer Konferenz mit dem Thema "Religion und medizinische Ethik: Palliative Care und psychische Gesundheit während des Alterns", die von Mittwoch bis Donnerstag in Rom stattfindet und unter anderem von der Päpstlichen Akademie für das Leben veranstaltet wird.

Unabhängig von der Bereitschaft zur Begleitung forderte Paglia die Katholiken auf, weiterhin gegen eine "selbstsüchtige" Gesellschaft zu kämpfen, die ältere Menschen, unheilbar Kranke und andere als "nicht gut genug" einstufe. Selbstmord sei, egal in welcher Form, eine "Niederlage" für den Rest der Gesellschaft. "Wir können ihn niemals in eine weise Entscheidung verwandeln", so der Erzbischof. Sich selbst zu töten sei jedoch kein "Abfall" von Gott. "Wir sind alle Kinder Gottes. Kann eine Mutter ihren Sohn verlassen?" Paglia betonte, dass er auch Requien für diejenigen feiere, die sich das Leben genommen hätten. Er betrachte Selbstmord als "eine große Bitte um Liebe, die nicht befriedigt wurde."

Vincenzo Paglia im Porträt
Bild: ©KNA

Kurienerzbischof Vincenzo Paglia ist Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben.

Ende Oktober hatten Vertreter des Vatikan, des Großrabbinats von Israel und einer muslimischen Organisation aus Indonesien eine gemeinsame Erklärung zum Umgang mit Todkranken unterzeichnet. Diese spricht sich gegen Sterbehilfe und assistierten Suizid aus. Diese seien "von Natur aus und in der Konsequenz aus moralischer wie religiöser Sicht falsch und sollten ausnahmslos verboten werden", heißt es unter anderem in dem Dokument. Zu den Unterzeichnern gehörte auch Erzbischof Vincenzo Paglia. Die katholische Kirche lehnt assistierten Suizid mit dem Verweis auf das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ab.

Bei einem assistierten Suizid nimmt der Sterbewillige selbstständig eine Substanz zur Selbsttötung ein, die ihm von einer anderen Person zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurde. In einigen Ländern, etwa in den Niederlanden oder in der Schweiz, ist dies bereits legal. In Deutschland ist die Beihilfe zur Selbsttötung grundsätzlich nicht strafbar, außer im Falle einer geschäftsmäßigen Förderung. (mal)