Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, bei der Pressekonferenz zur Familiensynode am 16. Oktober 2014 im Vatikan.
Zudem habe Pachamama auch im Christentum einen Platz

Kardinal Schönborn: Zölibat ist "Kostbarkeit" der Kirche

Pflichtzölibat, ehrenamtliche Priester und Frauendiakonat: Kardinal Christoph Schönborn hat sich zu den "heißen Eisen" der Kirche geäußert. Außerdem verteidigte der Wiener Erzbischof die Präsenz der Pachamama-Statuen bei der Amazonas-Synode.

Wien - 20.12.2019

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den Zölibat als eine "Kostbarkeit" bezeichnet, die die Kirche nicht aufgeben sollte. "Die Grundform des römisch-katholischen Priesters" sei die Ehelosigkeit, sagte Schönborn am Freitag in einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche". Gleichzeitig wolle er die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt in besonderen Fällen nicht ausschließen. Ehrenamtliche Priester hält der Wiener Kardinal ebenfalls für denkbar, auch wenn er zugibt, dass eine solche Regelung "sehr herausfordernd wäre".

"Auch der Heiligenkult hat heidnische Elemente christianisiert"

Angesprochen auf die Pachamama-Statuen, die im Umfeld der Amazonas-Synode im Oktober zu einer Kontroverse geführt hatten, rief Schönborn dazu auf, sich mit der Geschichte des Christentums zu befassen. "Auch der Heiligenkult hat heidnische Elemente christianisiert", so der Wiener Kardinal, der im Oktober an der Bischofsversammlung im Vatikan teilgenommen hatte. "Die umstrittene Pachamama-Statue ist zuerst einmal einfach eine hochschwangere Frau." Sie repräsentiere die Mutter Erde und habe als "Urbild" auch im Christentum einen Platz. Bereits im November hatte sich der Oberhirte gegen eine Instrumentalisierung der Synode bei innerkirchlichen Auseinandersetzungen ausgesprochen.

In vielen Gemeinden in Amazonien seien "Frauen de facto die Leiterinnen", so Schönborn weiter. Im Kirchenrecht gebe es ausreichend Möglichkeiten, Frauen offiziell mit der Gemeindeleitung zu beauftragen. "Sie ersetzen nicht den Priester, aber sie leisten einen unersetzbaren Dienst." Die Teilnehmer der Amazonas-Synode hätten den Papst auch aus diesem Grund im Abschlussdokument darum gebeten, die Frage der Weihe von Diakoninnen weiter zu prüfen. Ebenso fand die Forderung nach verheirateten Priestern für die Amazonas-Region Aufnahme in den Text, der Papst Franziskus bei der Erstellung eines Nachsynodalen Schreibens dienen soll. Die Veröffentlichung des päpstlichen Dokuments wird für das kommende Jahr erwartet. (rom)