Öffentliches Mitgefühl sei nachvollziehbar

Trauer um Affen in Krefeld – Theologe: "Das sind unsere Verwandten"

Aktualisiert am 02.01.2020  –  Lesedauer: 

Münster/Krefeld ‐ "Die Trauer um einen verlorenen Menschen ist nicht anders als die Trauer um ein verlorenes Tier": Der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord hält die öffentliche Trauer um verstorbene Affen im Krefelder Zoo für absolut legitim.

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Die öffentliche Trauer um verstorbene Affen im Krefelder Zoo hält der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord für nachvollziehbar. "Die Menschen, die die Tiere im Zoo besucht haben, spüren: Das sind unsere Verwandten", sagte der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Hier zeigt sich eine große Verbundenheit." Einerseits hätten Klimaschutzbewegungen wie "Fridays for Future" die Öffentlichkeit für Tier- und Umweltthemen sensibilisiert, andererseits seien Affen dem Menschen ohnehin sehr nahe.

Vor allem für die Zoo-Mitarbeiter, die teilweise über Jahre eine enge Beziehung zu den Tieren aufgebaut haben, sollten nun Räume der Trauer geschaffen werden, so der Rat des Priesters und Biologen. "Die Trauer um einen verlorenen Menschen ist nicht anders als die Trauer um ein verlorenes Tier", betonte er. Sätze wie "Stell dich nicht so an" seien Schläge ins Gesicht. Die Tierpfleger müssten über ihren Verlust sprechen dürfen. Außerdem könne ein Abschiedsritual - eine Art Beerdigung - helfen, erklärte der Priester.

Bild: ©Tatjana Jentsch (Archivbild)

Rainer Hagencord ist Leiter des Institutes für Theologische Zoologie in Münster.

Hagencord äußerte die Hoffnung, dass die Brandkatastrophe den Blick auf das weltweite Artensterben lenken werde. "Ich verstehe die dramatische Situation als Aufruf, beim Einkauf auf Dinge zu verzichten, die den Lebensraum von Orang-Utans und Schimpansen vernichten", sagte er. Gleichzeitig wies der Theologe auf andere Tiere hin, die auch hierzulande unter industrieller Massenhaltung leiden: "Wo ist die Empörung über die Tiere, die in Tierfabriken und Schlachthöfen verschwinden?"

In der Silvesternacht war das Affenhaus im Krefelder Zoo abgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse. Um ihre Betroffenheit auszudrücken, legten zahlreiche Krefelder und Zoo-Besucher seither Plüsch-Affen, Kerzen und Plakate vor dem Tierpark nieder. Ausgelöst wurde das Feuer vermutlich von sogenannten Himmelslaternen - die Leuchtkörper sind in Deutschland verboten. (KNA)