Gemeinde schreibt Vatikan – Kirche wird nicht geschlossen
Einspruch gegen Bischofsentscheidung

Gemeinde schreibt Vatikan – Kirche wird nicht geschlossen

Der Bischof wollte ihre Kirche schließen, doch daraus wird jetzt nichts: Eine Gemeinde hat sich kirchenrechtlichen Beistand geholt und beim Vatikan interveniert – und der entschied zu ihren Gunsten.

Conwy - 08.01.2020

Nach dem Einspruch des Vatikans wird eine Kirche in Wales nun doch nicht geschlossen. Eigentlich hatte der Bischof von Wexham, Peter Brignall, die "St Michael and All Angels"-Kirche in Conwy mit Wirkung zum 11. Februar 2018 geschlossen, berichtet "The Tablet" am Dienstag. Doch einige Gemeindemitglieder engagierten einen Kirchenrechtler und legten Einspruch im Vatikan ein.

Die zuständige Kleruskongregation gab dem Einspruch nun statt, das Bistum hob seine Entscheidung auf. "Die beabsichtigte permanente Schließung der Kirche kann aktuell nicht vollzogen werden", so die Diözese. Die Konsequenzen dieser Entscheidung müssten von vom Bischof nun unter anderem gemeinsam mit dem Ortspfarrer, dem Priesterrat und dem Gemeinderat überdacht werden.

Bischof Brignall hatte die Kirche als Teil eines Restrukturierungsprogramms seiner Diözese geschlossen, Hauptargument waren die fehlenden Priester im Bistum. Eine Sprecherin der Gemeinde, Anne McCaffrey, befand die Argumentation für nicht hinreichend. "Um eine Kirche zu schließen bedarf es eines schwerwiegenden Grundes, so will es das Kirchenrecht." St Michaels sei eine "strukturell gesunde, finanziell lebensfähige" Gemeinde mit einer "starken Gemeinschaft". Die Gemeinde will nun das Gespräch mit dem Bischof suchen.

Dass der Vatikan sich in Bistumsangelegenheiten einmischt, ist ungewöhnlich. Eigentlich haben die Oberhirten freie Hand über ihre Diözese. In jüngster Vergangenheit hatte der Vatikan allerdings Zweifel an den massenhaften Kirchenschließungen in Westeuropa kundgetan und eine Konferenz zu dem Thema veranstaltet. (cph)