Medien: Kandidaten für Huonder-Nachfolge in Chur besonders konservativ
Zeitung liegt Vorschlagsliste vor

Medien: Kandidaten für Huonder-Nachfolge in Chur besonders konservativ

Wer wird neuer Bischof in Chur? Nach dem konservativen Vitus Huonder hoffen liberale Katholiken auf einen ausgleichenden Kandidaten. Doch eine Liste des Nuntius, die nun aufgetaucht ist, macht ihnen keine Hoffnung.

Chur/Zürich - 06.02.2020

Für die Nachfolge von Bischof Vitus Huonder sind vier als besonders konservativ geltende Priester im Gespräch. Nach Informationen der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) hat der Schweizer Nuntius Thomas Gullickson vier Personen aus dem Bistum im Blick. Dies sind der ehemalige Generalvikar Huonders Martin Grichting, der Graubündner Regionalgeneralvikar Andreas Fuchs, der Regens des Priesterseminars Martin Rohrer sowie der Dompfarrer Gion-Luzi Bühler. Alle Genannten gelten als Vertraute Huonders und wurden noch von ihm in ihre Ämter berufen. Fuchs und Rohrer gehören der Bewegung "Servi della Sofferenza" an, die sich auf den italienischen Kapuziner Padre Pio beziehen. Dem im Bistum nach wie vor einflussreichen Grichting werden aufgrund seiner polarisierenden Art laut Quellen der NZZ weniger Chancen eingeäumt; im Falle einer Wahl eines der anderen genannten Kandidaten könne er aber weiterhin im Hintergrund "als Generalvikar der wahre Machthaber" bleiben.

Nach Informationen der Zeitung ist die nun bekannt gewordene Viererliste bereits die dritte Vorschlagsliste des Nuntius, die kursiert. Das könne ein "Zeichen der Ratlosigkeit" sein, aber auch ein Hinweis auf ein Ringen zwischen Unterstützern Huonders und Grichtings und Kräften, die für eine weniger polarisierende Lösung plädieren. Gullickson war in der Vergangenheit durch Kritik an der aus seiner Sicht zu liberalen Kirche in deutschsprachigen Ländern aufgefallen.

Vitus Huonder war Bischof des Bistums Chur in der Schweiz.

Bischof Vitus Huonder gilt als prominenter Exponent des konservativen Flügels in der Schweizer Kirche.

Bisher sei noch keine der drei Listen offiziell nach Rom übermittelt worden. Ohnehin hat diese Zusammenstellung von Namen keine unmittelbare kirchenrechtliche Verbindlichkeit. Sie ist nur ein Vorschlag für die Bischofskongregation und gegebenenfalls den Papst im Auswahlprozess. Rom legt dem Domkapitel eine Dreierliste an Kandidaten vor, aus dem es den künftigen Bischof wählt. Der Papst bestätigt dann den Gewählten.

Konservativer Churer soll Bischofskonferenz ausbalancieren

Auch in anderen Schweizer Bistümern gibt es einige Besonderheiten bei der Bischofswahl, die den Einfluss des Papstes beschränken. So wählen in Basel und St. Gallen die Domkapitel selbständig einen Bischof, der vom Papst nur noch ernannt wird. Ebenfalls zur Bischofskonferenz gehört der Abt der Benediktinerabtei Einsiedeln, der von den Mönchen gewählt wird. Der Theologe und Kenner der Schweizer Kirche Nikolaus Herzog geht davon aus, dass Chur in den vergangenen Jahrzehnten bewusst konservative Bischöfe erhalten habe, um die bislang deutlich liberalen Stimmen der drei Oberhirten aus Basel, St. Gallen und Einsiedeln in der Bischofskonferenz auszubalancieren.

Bischof Vitus Huonder, dessen Rücktritt aus Altersgründen erst mit 77 Jahren durch Papst Franziskus angenommen wurde, galt als polarisierend. Mit seinen deutlichen Positionen zu Lebensschutz, Sexuallehre und Kirchenverfassung war er in der ganzen Schweiz als Stimme des konservativen Flügels der Kirche bekannt. Nach dem Ende seiner Amtszeit machte der Bischof noch einmal Schlagzeilen, als er ankündigte, seinen Alterssitz in einer Einrichtung der Piusbruderschaft zu nehmen, angeblich im Auftrag des Vatikans.

Nachfolger Huonders ist seit Mai 2019 der ehemalige Bischof von Reykjavik, der heute 74-jährige Peter Bürcher. Er leitet das Bistum bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs als direkt von Papst Franziskus eingesetzter Apostolischer Administrator. (fxn)