Sea-Watch 4
Bedford-Strohm verteidigt Aktion zur Flüchtlingsrettung

Kirchliches Rettungsschiff "Sea-Watch 4" getauft

Erst vor wenigen Monaten hatte die evangelische Kirche den Plan für ein Flüchtlingsschiff vorgestellt, jetzt konnte die Taufe gefeiert werden. Die "Sea-Watch 4" soll Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten.

Kiel - 20.02.2020

Das von der evangelischen Kirche initiierte Rettungsschiff für Flüchtlinge ist offiziell in Dienst genommen worden. Die Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags, Aminata Toure (Grüne), taufte es am Donnerstag in Kiel auf den Namen "Sea-Watch 4". Es wurde an die Seenotretter der Organisation Sea-Watch übergeben und soll Anfang April zu seinem ersten Einsatz im Mittelmeer starten.

"Das Schiff muss unterwegs sein, weil die Staaten Europas es nicht intendieren und schaffen, Menschen im Mittelmeer zu retten", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Es sei damit auch ein politisches Zeichen. Die Crew könne weiter auf die Unterstützung engagierter Christen zählen.

Bedford-Strohm verteidigt Seenotrettungsschiff gegen Kritik

Zuvor hatte Bedford-Strohm die Unterstützung der EKD für ein privates Seenotrettungsschiff verteidigt. "Es ist eine ungewöhnliche Aktion. Aber ich glaube schon, dass sie sehr viel zu tun hat auch mit dem christlichen Glauben", sagte er am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Im Zentrum der Gebote stehe das Doppelgebot der Liebe - Gott lieben und den Nächsten lieben. "Und wenn Menschen in Lebensgefahr sind, wenn Menschen ertrinken, dass wir dann helfen müssen, das ist eigentlich eine Grundintention, die fast alle Menschen haben."

Der EKD-Chef warb zudem für einen europäischen Verteilmechanismus für Flüchtlinge, um zu erreichen, "dass Menschen, die gerettet werden, auch an Land gehen können". Verschiedene Staaten Europas müssten zusammen helfen, "um die Hilfsbereitschaft, die in den Städten und Dörfern Europas ja vorhanden ist", abzurufen.

Bedford-Strohm auf der Sea-Watch 4

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm steht auf der Krankenstation im Rettungsschiff "Sea-Watch 4".

Das nun getaufte Schiff solle zusätzlich zur bereits im Einsatz befindlichen "Sea Watch 3" auf Mission gehen, sagte Sea-Watch-Vorstandsvorsitzender Johannes Bayer. "Wir sind unglaublich froh, dass wir mit diesem Schiff die Abdeckung im Mittelmeer verbessern können", betonte er. Es werde nördlich von Libyen patrouillieren und könne bis zu 300 Menschen aufnehmen.

Das Aktionsbündnis "United4Rescue" und Sea-Watch hatten das frühere Forschungsschiff "Poseidon" Ende Januar für rund 1,5 Millionen Euro erworben. Für den Umbau, der auf einer spanischen Werft erfolgen soll, rechnet Sea Watch mit Kosten von weiteren 500.000 Euro. Es soll unter anderem ein Schutzbereich mit 24 Betten speziell für Frauen und Kinder eingebaut werden.

Das Aktionsbündnis "United4Rescue" war Anfang Dezember von der EKD initiiert worden. Es wird von fast 400 Organisationen und Initiativen unterstützt. Neben vielen evangelischen Organisationen und Gemeinden sind auch katholische Verbände dabei, etwa der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Bayern. Zudem hatte der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx 50.000 Euro für das Schiff gespendet. Der Impuls zur Entsendung eines weiteren Schiffs war vom evangelischen Kirchentag im Juni 2019 ausgegangen. (rom/KNA/epd)