Papst Franziskus lässt Frauendiakonat erneut prüfen
Neue Studienkommission unter Führung eines Kardinals eingerichtet

Papst Franziskus lässt Frauendiakonat erneut prüfen

Wer glaubte, der Frauendiakonat sei nach den Arbeiten einer ersten Untersuchungskommission vom Tisch, täuscht sich: Papst Franziskus lässt die Möglichkeit der Zulassung von Frauen zum Weiheamt erneut prüfen. Dafür wurde heute eine neue Studienkommission bekanntgegeben – unter der Führung eines Kardinals.

Vatikanstadt - 08.04.2020

Papst Franziskus will die Frage des Frauendiakonats neu untersuchen lassen. Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, richtete er eine eigene Studienkommission unter Leitung von Kardinal Giuseppe Petrocchi (71) ein. Zum Sekretär ernannte der Papst Denis Dupont-Fauville (53), einen Mitarbeiter der Glaubenskongregation. Zu den zehn Mitgliedern des Gremiums gehören den Angaben zufolge die im schweizerischen Fribourg lehrende Theologin Barbara Hallensleben (63) und der in Lugano tätige Priester und Dogmatiker Manfred Hauke (63). Fünf der Kommissionsmitglieder sind Frauen und in der theologischen Wissenschaft tätig. Die Einrichtung des Ausschusses erfolgte laut der Mitteilung nach einem Gespräch des Papstes mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria Ferrer.

Erste Untersuchung ohne einhelliges Ergebnis

Bereits 2016 hatte Franziskus eine Kommission eingesetzt, um frühchristliche Aufgaben oder Ämter weiblicher Diakone zu untersuchen. Im Mai 2019 erklärte der Papst, die Arbeiten hätten wie schon zuvor Studien der Internationalen Theologenkommission zu keinem einhelligen Ergebnis geführt. Im Oktober 2019 wurde das Thema bei der Amazonas-Synode im Vatikan laut. Das Schlussdokument hielt fest, eine Zulassung von Frauen zum Diakonat sei in den Beratungen mehrfach gefordert worden. Zugleich wurde der Wunsch geäußert, mit der 2016 eingerichteten Kommission in Austausch zu treten. Papst Franziskus unterstützte dieses Anliegen beim Abschluss der Synode. In seinem Mitte Februar veröffentlichten nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" griff er die Anregungen, ein Diakonat für Frauen zu schaffen und das Priesteramt ausnahmsweise für Familienväter zu öffnen, nicht auf.

Der Leiter der neuen Arbeitsgruppe, Kardinal Petrocchi, ist seit 2013 Erzbischof von L'Aquila und wurde 2018 von Franziskus ins Kardinalskollegium berufen. Der aus Paris stammende Kommissionssekretär und Priester Dupont-Fauville besitzt einen fachlichen Schwerpunkt auf frühkirchlicher Theologie und lehrte seit 2010 am College des Bernardins in der französischen Hauptstadt. Die weiteren Mitglieder der Kommission sind Catherine Brown Tkacz (Lviv, Ukraine), Dominic Cerrato (Steubenville, USA), Santiago del Cura Elena (Burgos, Spanien), Caroline Farey (Shrewsbury, Großbritannien), James Keating (Omaha, USA), Angelo Lameri (Crema, Italien), Rosalba Manes (Viterbo, Italien) und Anne-Marie Pelletier (Paris, Frankreich).

Auch in der deutschen Kirche ist der Frauendiakonat seit Jahren Thema. Seit 1997 wird der 29. April, der Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, von kfd, KDFB, dem Netzwerk Diakonat der Frau und dem ZdK als "Tag der Diakonin" begangen. Auch verschiedene Bischöfe äußerten sich positiv zu einem möglichen Frauendiakonat, zuletzt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburgs Bischof Georg Bätzing. Die Zulassung von Frauen zum Weiheamt ist auch ein Thema des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland. (tmg/KNA)